verplüfft, daß er nicht ein Wort zu sagen vermochte. Erhatte zwar sein: Landgraf, werde hart! und alles Ucbrigewohlbcdächtig gesprochen, damit Ludwig dicß und das wie-der erfahren möchte; daß er aber mit ihm selbst rede, warihm nicht im Traum eingefallen, »nd er hätte nun gernseinen offenherzigen Zweisprach thcuer zurück gekauft. Dochgeschchn, war geschchn. Mit bangem Herzklopfen zog ersich in seine Hütte zurück und beschloß, diesen Vorfall kei-nem Menschen zu entdecken.
Er allein erriet!) daher, daß ein landgräflicher Bote,der ungefähr acht Tage darauf bei dem Herrn von Tol-lcnstcin anlangtc, nicht die erfreulichsten Nachrichten brin-gen möchte. Wenzel empfing auch wirklich eine Ladung,sogleich nach Verlesung dieses beim Hcflager zu erscheinen.
Er eilte gen Naumburg und fand schon mehrere Win-keltprannen dort versammelt, die der Landgraf nach ge-heimer Untersuchung ihrer ruchlosen Wirthscbaft ebenfallszu sich beschicken hatte. Sic wurden zusammen vorgcru-fcn, und Ludwig empfing sie mit ernster, hoher Miene.
„Ich habe mit Unwillen erfahren, sprach er, daß Ihralle Pflichten der Menschenliebe gegen Eure Unterthanenaus den Augen setzt! Besonders über Euch, Wenzel vonTollcnstei», seufzen die Armen! Was dünkt sich Euer auf-geblähter Stolz? —Glaubt Ihr, die Welt scy für Euchallein geschaffen? Wollt Ihr dem Bauer kaum die Luft,und keinen Schatten von Lebensfreude gönnen? Soll ernur immer seine Tage hinschmachtcn in Jammer undElend? — Ihr haltet ihn wohl für eine Maschine, diefür Euch pflügen, säen und erndten muß, »nd die Ihrzerstören könnt, wie es Euch beliebt? — Nein, Ihr Her-ren, er ist ein Mensch, wie Ihr, und vielleicht ein bessererMensch! Ich erkläre mich hiermit feierlich für seinen Be-