von zwölf Jahren die wichtigste Begebenheit, die sich aufseiner Burg ereignete.
Nach Ablauf dieses unmerkwürdigen Zeitraums kam aneinem trüben Herbstabcnd ein unbekannter Reiter in Wen-zel's Dorf und fragte nach dem Wirthshausc. Ein eigent-licher Gasthof war nicht da; man wies ihn aber zu demSchmid Martin, der immer ein Fäßchen Bier und eineSchütte Stroh für durchfahrende Frachtführer bereit hielt.Der Reiter eilte dahin und bat um ein Nachtlager.
„Wer stpd Ihr?" fragte Martin.
Der Fremde. Ein Hofjunker des Landgrafen. Wirjagten in dieser Gegend, und ich verirrte mich.
-Martin. Schlimm für Euch! Ihr werdet bei mirschlechte Bequemlichkeit finden.
Der Fremde. Doch ein Bett?
Martin. Guter Herr, im ganzen Dorfe trefft Ihrkeine Feder. Beliebt es Euch nicht, auf Stroh zu schla-fen, so müßt Ihr auf dem Schlosse beim Herrn von Tol-lenstein Quartier machen. Der liegt weich genug.
Der Fremde. Ihr scherzt, mein Freund! Es ist un-möglich, daß kein einziger Bauer ein Bett, ein so unent-behrliches Bedürfniß für ermüdete Feldarbeitcr, haben sollte.
Martin. Doch ist eS so. Euch zarten Hofhcrrenmag das freilich wunderbar Vorkommen. Ihr denkt, Ihrkönntet nicht leben. Ach, die Armuth ist froh, wenn sienur immer noch Stroh hat.
Der Fremde. Ich beklage Euch, und will diese Nachtnicht besser schlafen, als Ihr; ob mir gleich mein Namebei dem Herrn von Tollcnstein einen guten Empfang ver-schaffen würde.
Hierauf stieg er vom Gaul, bezog ein niedriges Käm-merlein neben Martins Werkstätte, und warf sich auf das