Der zitternde Kranke hätte gern diese neue Bekanntschaftentbehrt; allein er merkte wohl, daß er mit einem Patronzu thun habe, der sich nicht durch Stillschweigen abferti-gen lasse, und raffte daher allen Muth zusammen, um einleises: „Wer bist Du?" hcrauszustammeln.
Das Zwerglein nahte sich hierauf mit spanischen Schrit-ten seinem Bette und sagte scherzend: „Was doch derbarsche Herr, der sonst gegen alle Welt pocht und trotzt,vor einem so kleinen Wesen, als ich, erschrecken kann! Ichsage Dir nochmals: Fürchte Dich nicht! Ich bin ein gu-ter Hausgeist, aus dem Geschlechte der Erdgnomen, odersogenannten kleinen Leutchen, und bewohne schon seit vie-len Jahrhunderten den unterirdischen Raum dieses Schlos-ses. Hast Du nie etwas von mir, von Freund Hütchen,gehört?" —
Wenzel. Mich dünkt, man hat mir als ein Mähr-chcn erzählt —
Hütchen. Was Mährchcn, was Mährchen! Ich binFreund Hütchen, und spielte vor zwei- und dreihundertJahren den Einsiedler nicht so, wie jetzt. Da war ichimmer hier oben auf dem Platze und half Deinen Vor-eltern wacker in der Wirthschaft. Ich striegelte Pferde,scheuerte Topf' und Schüsseln, lief Botschaft, kurz, ich warhinten und vorn. Man sah mich gern, und nannte michwegen meines Hütleins, das ich schon damals trug, FreundHütchen. Anfangs wollte mir dieser Name nicht sonder-lich gefallen, und ich warf tüchtig mit Steinen um michherum. Endlich aber schickt' ich mich darein, weil ich sah,daß man's nicht böse meinte. O Wenzel! Wenzel! DeineUr-Urväter waren kreuzbrave Männer, waren — nimmmir's nicht übel! — besser als Du!