Druckschrift 
12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

-o§> 121 <§-o

Unter diesen Barbaren hob sich Wenzel von Tollenstein,ein Besitzer mehrerer Dörfer, besonders hervor.

Aus ahnenftvlzer Eltern MundSog mit der Muttermilch den Grundsatz seine Seele:

Der Bauer athme bivS auf dieiem Erdenrund,

Als Zwitterthier von Meilsch und Hund,

Damit der Ritterschaft es nicht an Sklaven fehle."

Der kleine Wenzelmann war sanft zwar kein Genie;

Sein Köpfchen schien ein Beet vvll dürren, todten Sandes,In dem die Blume des Verstandes

Nicht Wurzel schlug und nur der Dummheit Pilz gedieh;Allein gesagt zu seiner Ehre'.

Der Same jener guten LehreFiel auf kein unfruchtbares Land.

Was eine Nessel ift, hat immer früh gebrannt.

Sv lief auch gern, nvch an der Amine Hand,

Der Junker in des Dvrfes Hüllen,

Und trat, wenn svnft kein Weg zum Unheil sich ihm bot»

Mit raschen, tückevollen Tritten

Die junge Brut der Gans' und Hühner tvdt.

Als ihm mehr Nervenkrafr die spärern Jahre gaben,

Schlug er zum Zeitvertreib wehrlose Bauernknabcn,

Entriß den Hungrigen ihr Stückchen schwarzes BrvdUnd ließ von Hunden eS verschlingen,

Die stets zu Schutz und Trutz an seiner Seite gingen.

Des wilden Buben Eltern sahnDen Aufgang ihrer HerzenesaarcnIn dielen ritterlichen LharenMit hvchftem Wohlgefallen an,

Und schufen manchmal selbft ihm einen Bosheiteplan.

Dann lächelten sie von dem SöllerDer Bnrg herab aufs Dorf mit wahrer Seelenruh',

Uns klatschten, wenn ihr Prinz das Bubenftückchen schnellerVvllführt', alS sie gedacht, ihm lauten Beifall zu.