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Der Bieresel.
Ein sächsisches V o l k ö »n ä h r ch e n.
Landgraf Ludwig der Eiserne, der im zwölften Jahr-hunderte Thüringen beherrschte, war ein edler Fürst. Ihmsagte sein Herz, daß der hohe Standpunkt, auf den ihndas Schicksal gestellt hatte, von der allgemeinen Mcnschcn-xflicht, ein Biedermann zu sepn, nicht entbinde. Aberzum Unglück für sein Land, hielt er sich schon dcßwegenfür einen guten Landesvater, weil er selbst sei» Volk nichtdrückte. Es war in der That sein höchster Wunsch, Bür-ger und Bauern im blühenden Wohlstände zu sehen; nurließ er es leider! dabei bewenden. In der bequemen Hoff-nung, daß sein Gebiet die beste Welt sey und Alles feinund löblich darin zugehe, aß und trank er ruhig, pflegtedes Waidwerks, und gab sich mit Negierungsgeschäftenwenig ab. Nichts sah er mit eigenen Augen und trauteblindlings seinen Rathen. Keinem Bedrückten war cs mög-lich, die gerechtesten Klagen bis'an den Thron zu bringen.Schösser und Vasallen hatten freies Spiel, die Untertha-nen nach Willkühr zu behandeln, und die Meisten schienenmiteinander zu wetteifern, wer die höllische Kunst der Pla-ckerei am besten verstehe.