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12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
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telstündigen Unterhaltung mit ihm mehr Geist und Leben,als ste ein ganzes Jahr lang bei ihrem Gemahl bemerkthatte. Der Graf spannte freilich alle Segel seines Witzesauf, um zu gefallen, und es gelang ihm so, daß die an-dern Hofhcrren über die ausgezeichnete Aufmerksamkeit,die ihm die Königin bei jeder Gelegenheit bewies, vorNeid bersten wollten.

Im Verlauf einiger Wochen sprachen die Augen überden Hauptpunkt von Tag zu Tag verständlicher, ohnedaß der Mund ei» Wörtchen dazu sagte. Endlich kamauch an ihn die Reihe, sich in das Spiel zu mischen.

EinSmals ward der Graf unvermuthct zur Königin ge-rufen und in ein Kabinct geführt, das die Liebe für ihreGeheimnisse angelegt zu haben schien. Die Königin hattekeinen Zug von Hoheit in dieses Feenzimmcrchen mitge-bracht, und empfing den Grafen in der besten, traulichstenLaune.

Königin. Ich wollte Ihnen nur sagen, Herr Graf,daß ich erst kürzlich eine etwas alte Neuigkeit erfahrenhabe, die uns Beide gleich stark intercssirt. Rathen Sie!

Graf. Ich sinne vergebens. Geruhen Sie, Königin,mir das Nathsel zu lösen.

Königin. Sie wüßten also wirklich nicht, daß Ihnender König die undankbare Ehre erzeigt, Ihre Gemahlinzu lieben?

Graf. Unmöglich! Wie könnte der glückliche Monarch,der seinen Thron mit der Königin der Schönheit theilt

Königin. O des Schmeichlers und Heuchlers! Siestellen sich so fremd und haben doch gewiß schon längstihren Kummer in Elegien ausgehaucht z denn Sie sindDichter, wie ich höre.

Graf. Zu ehrenvoll ist dieser Name für mich. Wenn