Einen lästigen Mann auf die Seite zu schaffen, ist denKönigen ein Spiel. Doch macht es Alphonscn Ehre, daßer den Grafen nicht durch einen Uriasbricf, sondern durchden Auftrag einer ehrenvollen Gesandtschaft nach Romentfernte. Die Gräfin war über die Abreise ihres Ge-mahls in der That betrübt. Der König ermangelte je-doch nicht, die junge Strohwittwc fleißig zu trösten, undsie — ließ sich trösten. So sind die Weiber! Auch denBesten schmcichelt's, wenn ihnen ein Großer den Hof macht.In Kurzem dachte die Gräfin eben so ungern an dieRückkunft ihres Gemahls, als vorher an seine Abreise.Ihr königlicher Liebhaber war ihr so unentbehrlich gewor-den, daß sie tausend Planchen entwarf, wie sie künftigauch die kürzeren Abwesenheiten ihres Mannes benutzenwollte.
Von diesen schönen Dingen verrietst nun freilich dasGesicht der listigen Frau nichts, als der Graf wieder ausseinem Neiscwagen in ihre Arme flog. Unter ihren Küs-sen fast erstickend, hielt er sie für das treueste Weib unterder Sonne. Einige Freunde, die für seine Ehre besorgtwaren, gaben ihm in der Folge wohlmeinende Winke.Er lachte, schalt sie leichtgläubig, und erklärte die ganzeSage für ein neidisches Wcibcrmährchcn. Dennoch bliebihm ein Stachel im Herzen, der ihn aufmerksam machte.Seine stillen Beobachtungen überzeugten ihn auch bald,daß er — ein Mann wie andre Männer scy.
„Hum!" sprach er mit sich selbst: „Jhro Majestät ja-gen also in meinem Gehege? Was soll ich thu»? Etwaden Tollkühnen spielen, dem Naubschützcn auf den Leibgehen und mein Leben gegen ihn wage»? Ha, das wäreauch ein treuloses Weib Werth! Nein, nein, man lebtnur einmal, und ich will leben, um mich zu rächen. Also