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12 (1847) Schwänke. Mährchen und Erzählungen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
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gleich seinen räucherigen Staat auf immer verlassen, wennwir ihm vorher kund und zu wissen gcthan haben, daßer sehr windschief urthciite, indem er Alphonsen einesschlechten Geschmacks beschuldigte.

Eben sein feiner, gelauterter Geschmack war die Ursachedes Mangels an Eölust. Bei der freien Wahl, unver-wandt auf den Teller oder einer schönen Frau in die Au-gen zu sehen, zog der königliche Schäfer das geistige Ver-gnügen dem körperlichen vor. Angehende Verliebte brau-chen, wie bekannt, so wenig Nahrung, als eine Grille,die ein Thautropfcn sättiget; und das war der Fall beimKönige, den die Gräfin bezaubert hatte.

Sein Herz, das gewöhnlich schnell Feuer fing, aberauch oft in der nächsten Stunde wieder kalt ward, fühltejetzt das Entstehen einer mächtiger» Glut. So hatte »ochkein Weib ihm gefallen; die Hälfte seines Königreichswäre ihm um einen Kuß feil gewesen.

In der folgenden, schlaflosen Nacht war sie sein einzi-ger, langer Gedanke, ihre Gegenliebe sein höchster Wunsch;und er beschloß, um sie bald auf eine schickliche Art wie-der zu sehen, dem Adel der Stadt an einem der nächstenTage eine Feste zu geben.

Es geschah. Hundert Reifröcke rauschten zur Thüreherein, ohne vom Könige bemerkt zu werden. Er hattenur Augen für seine schöne Gräfin, cröffncte mit ihr denBall und glaubte wie denn Liebhaber immer mit Luch-sen um die Wette sehen das Aufglimmcn eines Fünk-chens Gegenliebe bei ihr zu entdecken. Nachdem er denganzen Tag jeden Zug ihres Angesichts studirt hatte,schmeichelte er sich, diese etwas unleserliche Schrift ganzund so zu verstehen, daß man ihn erhören würde, wennder Graf nicht im Wege stünde.