Allein, indem er sich jeden Augenblick der feierlichenErnennung zum königlichen Mundkoch dafür gewärtigte,kamen von Zeit zu Zeit die bei der Tafel aufwartendcnBedienten als Courierö mit den traurigen Depeschen an:Daß Jhro Majestät fast jede Schüssel unberührt vorbeigelassen, und selbst in der Aalpastete, — durch die Mei-ster Koch unsterblich zu werden dachte, — nur gestocherthabe. Vcrzweiflungsvoll ergriff er einen Bratspieß, umsich damit in den Biographien der Selbstmörder unterder Rubrik: „wegen nicht erkannter Verdienste," einenPlatz zu verschaffen. Seine Wuth war groß, aber nichtblind; denn er schielte gar wohlbedächtig unter dem Dacheseiner Augenbrnnnen hervor und herum, ob denn Keinerder gegenwärtigen Gaffer das Unglück verhüten und ihmin den Arm fallen würde. Da ihm nun Niemand dieGefälligkeit that, so stellte er das Mordeisen langsam wie-der an seinen Ort und murmelte blos in den Bart: „Derliebe Herr weiß nicht, was gut schmeckt." — „Weiß nicht,was gut schmeckt," war der Wicdcrhall von den Lippender Küchcnsubaltcrncn; und sicher würde das Urtheil derTopf- und Tiegelfakultat über den armen Alphons »ochhärter ausgefallen sepn, wenn sie gewußt hätte, was wirwissen: daß nämlich ein ganz anderer König, als er, daßFriedrich der Große, eine gute Tafel, vorzüglich die Aal-Pasteten , bis an seinen Tod liebte, und durch der letzter»übermäßigen Genuß sogar die Heilkräfte des berühmtenLöwenzahns schwächte *.
Unsere Erzählung hat sich fast zu lange beim Heerdeverweilt; allein die Reise um den dicken Bauch des Pa-stetenkönigs war nicht eher zu enden. Wir wollen nun
" Laut der Fragmente des Ritters von Zimmermann überFriedrich den Großen, im dritten Bande.
Langbein'S sämmtl. Schr. XVI. Bd.
7