Stille Racke
Die süßesten Freuden des Erdcnlebens, die Freuden derLiebe, genoß Graf Guido zu Neapel in den Armen einerschönen, tugendhaften Gemahlin, um die ihn alle Män-ner beneideten.
Aber wie oft ein Paar Tauben, indem sie sich zärtlichschnäbcln, durch einen Raubvogel getrennt werden, soging es auch dem Grafen, bevor noch der dritte Monatseiner glücklichen Ehe verfloß.
Es war Faschingszeit. Halb Neapel cutschlug sich sei-nen Geschäften, und lief unter tausendfältigen Mumme-reien der Freude nach. Selbst der König Alphons, derverliebteste Prinz seiner Zeit, fand jetzt nicht für nöthig,mit ernsthaften Kabiuctsräthen in seinem Palast zu arbei-ten, sondern durchstreifte in arkadischer Schäsertracht dieGassen, und beehrte sogar verschiedene Häuser, in denener liebenswürdige Bewohnerinnen wußte, mit seinem Besuch.
Auf dieser empfindsamen Reise kam der Arkadicr dennauch in das Haus des Grafen, der ihn mit einem köst-lichen Bankett bewirthcte. Der dicke, gräfliche Koch dampftewie der Vesuv; denn er hatte schleunig alle Leibes- undScclenkräste — so viel nämlich von den letztem in derKüche nöthig sind — aufgeboten, um für den hohen Gastein recht leckeres Mahl zu bereiten.