Druckschrift 
25 (1852) Das gefährliche Schloß [u.a.]
Entstehung
Seite
714
Einzelbild herunterladen
 

714

Hat sie aber Muth Feuer Angriff den Teufelim Leib?"

Nicht im Geringsten; sie ist das sanfteste, einfachste undlenksamste aller menschlichen Wesen," erwiderte der Lieb-haber.

Alsdann taugt sie nichts," sagte sein Ermahner in ent-scheidendem Tone.Es thut mir leid, Richard, alsdann istsie nicht zu brauchen. Es gibt Weiber in der Welt, die ihreRolle in dem geräuschvollen Leben, das wir in Indien führen,spielen können ich habe einige von ihnen gekannt, welcheihre Gatten vorwärts schleppten, die sonst im Dreck bis zumjüngsten Tage hätten stecken müssen. Der Himmel weist, wiesie das Chauffeegcld für die Straßen bezahlten, auf welchensie ihre Herren Gatten mit Stößen durchbrachten! allein diesewaren keine einfältigen Susannen, welche glauben, daß ihreAugen für nichts gut sind, als um ihre Gatten anzublicken,oder daß ihre Finger nur zum Flicken der Kindswäsche tau-gen. Verlaßt Euch darauf, Ihr müßt Eure Ehe, oder EureAussichten aufgeben. Wenn Ihr freiwillig einen Klotz anEuren Hals hängt, so dürft Ihr nicht daran denken, einenWettlauf zu halten; glaubt aber nicht, daß Euer Bruch mitdem Mädchen eine erschreckliche Katastrophe herbeisührt. BeimScheiden gibt cS vielleicht einen Auftritt; Ihr werdet sie je-doch bald unter den indischen Mädchen vergessen, und sie wirdsich in den Vikar und Nachfolger des Pfarrers verlieben. Sieist keine Waare für den indischen Markt, die Versicherung kannich Euch geben."

Unter den launenhaften Schwächen der Menschen ist die-jenige besonders auffallend, welche uns geneigt macht, Per-sonen und Dinge nicht nach ihrem wirklichen Werthe odersogar nach unserem eigenen Urtheil so sehr, als nach der