5^6
Jnchaffrav würde ihr geboten haben, ihre Schultern zu gei-ßeln und ihre Füße durch eine Pilgerfahrt wund zu laufen,und er würde ihr Verzeihung gewährt haben, wenn er gese-hen hätte, daß ihr Blut floß und daß ihr Fleisch zerrissenwar. Dieses waren die Priester, welche sogar Macht überdie Mächtigsten besaßen — sie drohten den Gewaltigen derErde mit den Worten ihres Mundes, dem Spruch ihres Bu-ches, dem Schein ihrer Fackeln, dem Schall ihrer geweihtenKlingel. Die Mächtigen beugten sich ihrem Willen, und ga-ben auf das Wort der Priester diejenigen frei, welche sie inihrem Grimm gebunden hatten, und sie ließe» auch unge-kränkt denjenigen ziehen, welcher von ihnen zum Tode verur-thcilt war, und nach dessen Blut sie gedürstet hatten. Siewaren ei» mächtiges Geschlecht und durften verlangen, daßdie Armen knieten, denn ihre Gewalt konnte die Stolzen de-müthigen. Aber Ihr! gegen wen seid Ihr stark? nur gegenWeiber, die der Lhorheit schuldig waren, und gegen Männer,welche niemals ein Schwert trugen! Die Priester des Al-terthums waren wie der Winterstrom, welcher dicß hohle Thalerfüllt und diese gewaltigen Felsen so leicht gegen einanderrollt, wie das Kind mit dem Balle spielt, den cS vor sichherwirft — aber Ihr! Ihr gleicht nur dem Strom im Som-mer, welcher durch Binsen zur Seite gewandt und durcheinen Busch von Rohrgras aufgehalten wird; Ihr seid nichtswcrth, denn von Euch kann man keine Hülfe erlangen!"
Der Geistliche konnte leicht begreifen, daß ElSpat den rö-misch-katholischen Glauben verloren hatte, ohne eu en andernzu erlangen, und daß sie noch einen unbestimmten und ver-wirrten Begriff über die Erlassung der Sünden durch Ver-mittlung der Priesterschaft mit Beichte, Almosen und Buße,so wie von deren ausgedehnter Gewalt hegte, welche nach