Druckschrift 
25 (1852) Das gefährliche Schloß [u.a.]
Entstehung
Seite
542
Einzelbild herunterladen
 

542

Zierde des Thales, worin sie grünte, zu sein verhieß? Alser über die traurigen Ereignisse nachsann, gerieth er ggenMittag in die Gebirgspässe, auf welchen er zu seiner nochentfernten Wohnung zurückkehren wollte.

Auf seine Kenntniß des Landes vertrauend, hatte derGeistliche die Hauptstraße verlassen, um einen jener kürzerenWege aufzusuchen, welche nur von Fußgängern oder von Leu-ten gewählt werden, die wie der Geistliche auf einem derkleinen aber mit sicherem Tritt begabten starken und scharf-sinnigen Pferde des Landes reiten. Der Ort, den er jetztdurchzog, war finster und einsam; die Volkssage hatte denSchrecken des Aberglaubens hinzugefügt, da nach derselbenein böser Geist,Rothmantel" genannt, welcher zu allen Zei-ten, besonders aber um Mittag und Mitternacht, den Men-schen wie der Thierschöpfung feindlich, das Thal durchzog,alles Böse, was in seiner Mach^ lag, vollbrachte, und wenig-stens diejenigen, denen er sonst nicht schaden durste, mitgrauenhaftem Schrecken erfüllte.

Der Pfarrer von Glenorguhy hatte stets manchen aber-gläubischen Vorstellungen entgegen gewirkt, von denen er mitRecht die Meinung hegte, daß sie aus den finsteren Zeitendes Pabstthums oder sogar des Heidenthums stammten, undvon Christen einer aufgeklärten Zeit nicht gehegt oder ge-glaubt werden dürften. Einige der ihm am meisten anhäng-lichen Mitglieder seiner Gemeinde waren der Meinung, daßer zu unvorsichtig dem Glauben ihrer Väter entgegen trete;obgleich sie die mora'ische Unerschrockenheit ihres Seclenhir-ten ehrten, konnten sie sich der von ihnen ausgesprochenen Bc>sorgniß nicht erwehren, er werde eines Tages als Opfer sei-ner Verwegenheit fallen, und im Thale des Rothmantels oderin einer anderen unheimlichen Wildniß zerrissen werden, hin-