5^3
sichtlich deren er seinen Stolz darauf zu setzen und Vergnü-gen darin zu finden schien, daß er sie allein an de» Tagenund den Stunden durchwandelte, an welchen die bösen Gei-ster besondere Gewalt über Menschen und Thicre haben sollten-
Diese Sagen fielen dem Geistlichen ein; so einsam er war,ruhte ein schwermüthigcS Lächeln auf seiner Wange, als ihmder Widerspruch in der menschlichen Natur in den Sinn kam,und als er bedachte, wie viel tapfere Hochländer, welche dergelle Schall des Schlachtliedcs Bajonetten entgegen gesandthaben würde, eben so, wie der wilde Stier auf seinen Feindlosstürzt, dennoch vielleicht jene eingebildeten Schrecken be-fürchtet hätten, denen er selbst, ein Mann des Friedens, wel-cher in gewöhnlichen Gefahren durchaus nicht mit jener Fe-stigkeit der Nerven begabt war, sich jetzt ohne alles Bedenkenaussetzte.
Als er in der öden Gegend sich umsah, mußte er selbstanerkennen, daß dieselbe als Aufenthaltsort jener Geisternicht übel gewählt war, die an Einsamkeit und VerödungEntzücken haben sollten. Das Thal war so steil und eng,daß gerade noch genug Raum für wenige zerstreute Strahlender Mittagsonne übrig blieb, um ans den dunklen und klei-nen Bach zu fallen, welcher meist schweigend und gelegentlichgegen die Felsen und breiten Steine murmelnd, hindurch floß,die entschlossen schienen, seine weitere Strömung zu hemmen.Im Winter oder in der Regenzeit war dieser kleine Bach einschäumender Gebirgsstrom furchtbarer Größe, und es war zusolchen Zeiten geschehen, daß er das breite und große FelS-stück durchbrochen und bloßgclegt hatte, welches zur JahrSzeit,wovon wir reden, seinen Lauf dem Auge verbarg und bei-nahe gänzlich zu unterbrechen schien. „Ohne Zweifel," dachteder Geistliche, „hat dieser Gebirgsbach, durch einen Wolken-