Druckschrift 
25 (1852) Das gefährliche Schloß [u.a.]
Entstehung
Seite
432
Einzelbild herunterladen
 

432

Amt eines Portiers bekleidete. Zu dieser Stelle war er durchdas mitleidige Gefühl meiner Freundin gegen einen altenSoldaten und theils auch durch ihre Meinung befördert wor-den, daß sein übrigens sehr schöner Kopf einige Aehnlichkeitmit dem von Garrick in der Rolle Lusignan hatte.

Er war ein mürrischer, stiller, in allem seinem Verfahrenschweigsamer Mann und wollte die Wagenthüre niemals voreiner Miethskutsche eröffnen; dann wies er mit seinem Fingerauf das Pförtchen als dem geeigneten Durchgang für allediejenigen, die in einem so wenig angesehenen Fuhrwerk an-langten, welches durch seine mit einer Nummer bezeichnet«:Gegenwart die Würde von Baliolshouse nicht erniedrigensolle. Ich glaube nicht, daß diese Eigenthümlichkeit die Billi-gung seiner Herrin erlangt haben würde, ebensowenig wiedie gelegentliche Parteilichkeit Luffgnan's oder wie die Sterb-lichen ihn nannten, Archy Mac Neady's, für die Branntwein-flasche. Allein Frau Martha Bethune Baliol wußte sehrwohl, daß sie im Fall der Ueberführung es niemals übersich vermocht haben würde, den König von Palästine zu ent-thronen, das heißt von der Bank zu verjagen, wo er stunden-lang seine Strümpfe strickend saß; sie weigerte sich deßhalb,den Zeugnissen Glauben zu schenken, sogar in soweit, daßsie ihn nicht einmal auf die Probe stellen wollte; sie urtheiltenämlich sehr richtig, er werde mehr Vorsicht gebrauchen, wenner seinen Charakter für nicht beargwöhnt hielte, als wenner entdeckt würde, und ohne Strafe davon käme. Ueberhauptmeinte sie, wäre es grausam, einen alten Hochländer wegeneiner kleinen Sünde zu entlassen, welche seinem Vaterlandeund seinem früheren Stande so angemessen sei.

Das stattliche Wagenthor oder der demüthige Eingangfür Fußgänger führte in einen engen und kurzen Baumgang