326
Während dieser Aufregung hatte Sir Malcolm Flemingkeine Ahnung, daß die Dame, die er bis dahin verschmähthatte, ihm wiederum nach Jahren der Trennung zugeführtwar; noch weniger war er, als die Morgcnröthe ihm einentheilweisen Anblick des Antlitzes seiner schönen Gefährtin ge-stattete, zu dem Glauben vorbereitet, daß er wiederum sichals Ritter der Margareth von Hautlieu bezeichnen konnte,wie cs wirklich der Fall war. Die Dame, als sie sich an je-nem ereignißvollen Morgen aus der Kirche von Douglas zu-rückzog, hegte nicht den Entschluß, wie es auch bei keinerDame der Fall sein wird, auf die Schönheit, welche sie ein-mal besessen, chue Bemühung zu deren Wiedererlangung, zuverzichten. Eine Behandlung von geschickten Händen währendeines längeren Zeitraums hatte mit Erfolg die Narben be-seitigt, welche als Zeichen ihres Sturzes zurückgeblieben wa-ren. Dieselben waren beträchtlich verwischt, und das verlorneOrgan des Gesichtes schien nicht länger eine bedeutende Ent-stellung zu sein, denn es wurde durch ein schwarzes Bandund die Künste ihrer Kammerfrau versteckt, welche dasselbedurch eine Haarlocke bedeckte. Kurzum, er sah dieselbeMargareth von Hautlieu fast mit derselben Art desAusdrucks wieder, wie ihn ihr Antlitz, dem hoben undleidenschaftlichen Charakter ihrer Seele gemäß, stets gezeigthatte.. Beiden schien es dcßhalb, daß ihr Schicksal, als es sienach einer scheinbar so entscheidenden Trennung wieder zu-sammenführte, ihnen seinen Entschluß verkünde, wornachsie unzertrennlich sein sollten. Zur Zeit, als die Sommer-sonne hoch am Himmel stand, ritten die beiden Reisenden,von ihrem Gefolge abgesondert, zusammen und unterhieltensich mit einem Eifer, welcher andeutete, daß sie wichtige Ge-genstände besprachen. Kurz darauf ward es in Schottland