51
Drittes Kapitel.
Heut' ist die Nacht ein krankes Tageslicht,
Ein wenig blasser nur; sie gleicht dem Tage,
An welchem sich der Sonne Licht verbarg.
Kaufmann von Venedig.
Um die baldige Zurücklegung des Weges nach Douglas-Castle zu bewirken, bot der Ritter von Valence dem Sängerden Gebrauch eines Pferdes an, welches derselbe in Betrachtseiner Mühseligkeiten am vergangenen Tage, auch sehr bereit-willig annahm. Jeder, welcher mit dem Reiten bekannt ist,muß bemerkt haben, daß kein Stärkungsmittel das Gefühlder Ermüdung von angestrengtem Gehen so leicht beseitigt,wie ein Ritt, welcher andere Muskeln in Anspruch nimmt,und denjenigen, die zu sehr angestrengt waren, eine Gelegen-heit gewährt, durch die Veränderung der Bewegung vollkom-mener auszuruhen, als wie es bei unbedingter Ruhe möglichwäre. Sir Apmer de Valence trug seine Rüstung und rittsein Schlachtpserd, zwei Armbrustschützen, ein Stallknecht nie-deren Ranges und ein Knappe, welcher die Ehre der Ritter-schaft in Aussicht hatte, bildeten die Abtheilung, welche ge-eignet schien, den Sänger ebenso an der Flucht zu verhindern,wie ihn gegen Gewaltthätigkeit zu schützen. „ES ist zwar ge-wöhnlich für Reisende in diesem Lande," sagte der junge Rit-ter, „eben so wenig Gefahr vorhanden, wie in den ruhigstenGegenden Englands, allein wie Ihr gehört haben werdet,sind vergangenes Jahr einige Unruhen ausgebrochen, und ha-ben uns veranlaßt, das Schloß Douglas genauer zu bewachen.
4 »