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An einem heiter» Herbsttag des Jahres 180t trat Karlvon Bonstctten unverhofft zn mir ins Zimmer. Ich lebte da-mals, als Regicrungsstatthaltcr der helvetischen Republik, znBasel. Mit jener angenehmen Bestürzung, in welche den Heim-lichliebenden ein unerwartetes Bekenntniß der Gegenliebe zn ver-setzen Pflegt, empfing ich den edcln Gast, dessen gefälliges Aeußere'ganz der Anmuth und Würde seines Gemüths entsprach. SeineGestalt, obschon etwas unter der Mittlern Mannesgröße, aberkräftig gegliedert, verricth in der leichten Gewandtheit und demAdel ihrer Bewegungen, den Einfluß, welchen Nmgang mit feiu-gcstttcten Gesellschaften nnwillkürlich auf uns übt. Das seelenvolleGefleht, von reiner, fast weiblich' zarter Farbe, mit der hohenStirn des Denkers, den Augen voll lächelnder Milde, war ganzgeeignet, das Nrtheil jedes Herzens zu bestechen. Er gewannschnell meine ganze Liebe. Wir lebten einen seligen Tag beisammen.
Wie flüchtig auch die Erscheinung dieses Mannes an mir vor-übcrging, hatte sie doch ihres bleibenden Eindrucks bei mir nichtverfehlt. Ich befand mich im Winter darauf zu Bern, als esdarum zu thu» war, einen Gesandten der Schweiz an den WienerHof abzuordnen. Alohs Reding, als Landammann der Schweiz,hatte zur Wahl der Person eine entscheidende Stimme. Ich drangin ihn, und mit der Wärme, zu welcher persönliche Vertraulich-keit nnd das Interesse des Vaterlandes Erlaubniß oder Rechtgebe» mag, Bonstetten zu wählen. Niemand fand sich damalsgeeigneter zu eiüer solchen Sendung, als dieser, mit seinen selte-nen Geistesgaben, seiner Geschäftskunde, seiner hohen Rechtlich-keit und Vaterlandsliebe. Noch mehr, Niemand war den Partei-Händeln in der schweizerischen Staatsumwälznng so fremd geblieben,und so rein von jedem feindlichen Vornrthcik, wie er. Selbst denuralten Adel seines Geschlechts, dessen Ahnen schon in der Dunkel-heit des zehnten Jahrhunderts an Thronen, Altären und Turnieren