Druckschrift 
32 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 5 (1854)
Entstehung
Seite
304
Einzelbild herunterladen
 

304

daß jeder etwaige fremde Eroberungsplan gerade in den deutschenFürsten selbst seine eifrigsten Beförderer findet; freilich wider ihrenWille», allein es ist dieses nicht das erstemal, daß sie nicht wissen,was sic thun. Ihren Völkern gegenüber stehen sie jetzt in demVerhältnisse böser Schuldner zu gerechten Gläubigern, und denvortheilhaften Vergleich, den sie vermöge des dreizehnten Artikelsder Bundesakte geschloffen, wollen sie nicht erfüllen; was unklugund unedel zugleich ist, da sie in jedem Prozesse leicht Alles ver-lieren dürften, weil sie nichts anfopfern wollten. Wenn es näm-lich auch entschiedene Republikaner in Deutschland gibt (worannicht zu zweifeln sein möchte), so sind sie doch wohl, dem Charak-ter ihres Volkes treu, besonnen genug, um in der gegenwärtigenGeneration nur das Feld zur Aussaat ihrer Wünsche, wenn nichtgar bloßen Dünger zu erblicken, der für die künftige Aussaatunterpsiügt werden muß. Sie dürfen daher zu Uebereilungen nichtsweniger als geneigt sein. Bei allen aber ist keine Ueberzeugungso lebendig, als die von der Unentbehrlichkeit der Einheit ihresVolkes, als der wesentlichsten Bedingung seiner künftigen Freiheit.'Sehen sie nun mit jedem Tage deutlicher, wie das Streben ihrerNegierungen nichts so sehr bezweckt, als die Verewigung der bis-herigen Trennungen, die Vernichtung aller Institutionen, die auchnur entfernt eine künftige Vereinigung hoffen lasse», so dürftensie leicht einmal in ihrer Verzweiflung selbst die Alleinherrschafteines fremden Eroberers, als die Vermittelung dessen, was vorallein Noth thut der Freiheit, dem alten Flickwerke vorziehe»,und Deutschland dürfte auf diesem Wege, wie Polen, zur Einheitgelangen, mit.dem Unterschiede nur, daß es vorher nicht vonseinen Nachbarn, sondern von Einheimischen zerrissen war.

Dazu kommt, daß die deutschen Regierungen, vielleicht in demBewußtsein ihrer unsicher»! Stellung, aber gewiß nicht zur Sicher-stellung derselben, der lächerlichsten Eifersucht gegen das einheimische