79
So sehr war Bay von der Zweckmäßigkeit seiner vorgeschla-gcnen Maßregeln überzeugt, daß er sich selbst erbot, die gefahr-vollste Rolle bei der ganzen Unternehmung zur seinigen zu machen.
Alle stimmten ihm bei. Nur der Senator Hirzel von Zürich,ein ihnen allen ehrwürdiger Greis, widerstrebte der Ausführungdes Vorschlags, aus Furcht vor den bedenklichen Folgen desselben.Er wiederholte mehrmals die Versicherung, daß die unitarischcnSenatoren, ungeachtet aller scheinbaren Anzeigen, den kühnen Schrittzur Vernichtung der gegenwärtigen Regierungsbehörden nicht wagenwürden. —
Daß ein Mann, wie der von ihnen hochgeachtete Hirzel, sichweigerte, lähmte den Enthusiasmus der übrigen. Man schied aus-einander, und am folgenden Morgen erfolgte die Auflösung desSenats durch den Machtspruch der unitarischcn Partei.
Von jetzt an trat Bay wieder iu-den Privatstand zurück, nach-dem er während der sturmvollsten Tage des Vaterlandes die an-gesehensten Ehrenstellen bekleidet hatte. Seine Grundsätze gebotenihm, den aufgeklärten Männern die Hand zu reichen, welche Frei-heit des Volks mit Stärke der Regierung paaren, und durch Kul-tur der Nation den alten Glanz und Werth derselben wiederher-stellen wollten; aber sein Herz zog ihn überall zur vorzüglichenBegünstigung seiner Geburtsstadt Bern und deren Bürger hin.So stand er schwankend zwischen beiden Parteien, ohne Gewalt,sie zu vereinigen, und von beiden beargwöhnt wegen der Aufrich-tigkeit und Reinheit seiner politischen Gesinnungen.
„Ich bin am Ende durch Erfahrung belehrt worden" — sospricht er von sich selbst: „daß Menschen vom gewöhnlichen Schlag,die jedes individuelle Unrecht, jedes gewaltthätige Mittel revoltirt,die untauglichsten sind, irgend eine neue Verfassung in einem Landegegen das Sträuben einer mächtigen Partei ciuzusühren; und daßdies nur Führern gelingen kann, die ohne Rücksicht auf die Ge-