Gerechtigkeit der Maßregeln, Selbstverläugnung genug besitzen,stets die schnellsten und wirksamsten zu dem Hauptzweck zu ergreifen/'Indem dieses Urtheil den Stab bricht über die Staatsklngheitder meisten schweizerischen Staatsmänner, setzt es doch ihrer Mensch-lichkeit und ihrem sittlichen Zartgefühle die Krone ans.
5. Moriz Vlayre,
Direktor der helvetischen Republik.
Dieser in den neuern Geschichten der Schweiz berühmt gewor-dene Mann ward im Jahre 1743 zu Lausanne geboren. SeinVater und Großvater waren Geistliche. In zarter Jugend verlorer seine Aeltern, die Mutter im sechsten Jahre, den Vater imsechsten Mond seines Lebens. Das kleine Vermögen, welches sieihm hintcrließcn, reichte kaum hin, seine Erziehung zu vollenden.In der Vaterstadt selbst empfing er die erste wissenschaftliche Bil-dung an dasiger hohen Schule.
Freunde, kleine Arbeiten, welche das Glück krönte, und jenesZusammentreffen holder Verhältnisse, welche schon von fernem dasSchicksal des Menschen bereiten, machte seinen Namen dem Königvon Polen, Stanislaus August, bekannt. Dieser berief ihn,als er im Jahre 1764 den Thron bestiegen, zu sich in der Eigen-schaft eines geheimen Kabincts-Sekretärs. Glayre, jung underfahrungölos, ungewandt in der Taktik des Hoflcbcns empfingfreudig und schüchtern den ehrenvollen Ruf. „Sire," sagte er zumKönige, als er demselben vorgestellt wurde: „ich bin zu unwissendin dem, was ich hier wissen sollte. Werden Sie geruhen, ineinLehrer zn sein?" —- Ich übcrnehm' es mit Ihnen!" erwicderteder Monarch mit gütigem Lächeln.