Laharpe hielt sich anfangs bei seinen Freunden in Paris Ver-borgen, bis er durch dieselben eine Empfehlung an den GeneralMurat erhalten hatte, der ihn nach Malmaison einladen ließ,nm ihn dem ersten Konsul vorzustellen.'
Bonaparte empfing Laharpen mit kalter Höflichkeit, undeinem Ton, der vorgefaßte Meinungen verricth. Die Unterhaltungward lebhaft und dauerte eine Stunde lang, bis zur Ankunft deszweiten Konsuls. Ungeachtet seiner Lage und seiner gegenwärtigenAbhängigkeit, änderte Laharpe nichts in Gesinnung und Ansicht,wiewohl der erste Konsul nicht beizustimmcn geneigt war. Er batdiesen endlich, den Verfolgungen ein Ende zu machen, die mangegen seine Freunde in der Schweiz richte. Bonaparte, ohne darineinzntreten, ließ es ihn hoffen, und versprach ihm Schutz in Frank-reich, aber unter Bedingung, sich ferner nicht in die Angelegen-heiten der Schweiz zu mischen.
Laharpe zog sich von nun an ans sein Landhaus zu Plessis-Pignct, ohnweit Paris, zurück, wohin ihm seine Gemahlin folgte.Die rohe Leidenschaftlichkeit seiner Feinde in der Schweiz verirrtesich unterdessen so weit, ihn, wie den gemeinsten Verbrecher, zusignalisiren und auSznschrcibcn. Vermnthlich glaubten sie ihn,durch dergleichen Besudelung, in der öffentlichen Meinung ansewig zu Grunde zu richten. Allein das moralische Todschlägcr-geschäft hat mit dem bürgerlichen gemein, daß es den Hinrichterselbst nur unehrlich, nicht fürchterlich, macht; während thcilnch-mende Achtung den tröstet, dessen Bild die Hand des Hasses oderNeides an den Galgen schlägt. Im Jahr 1801 unternahm La-harpe eine Reise nach Rußland, von welcher er erst tm Juli 1802zurückkehrte, mit den Beweisen der Achtung Alcranders, seinesehemaligen Zöglings, überhäuft.
Hingegebcn seinen ländliche» Beschäftigungen, war er mit denpolitischen Unruhen der Schweiz fortan nicht mehr in Berührung.