wissen; die ihrige war, daß Frankreich unvermeidlich verloren sei.Laharpo, welcher den Augenblick benutzen zu müssen glaubte, umder „großen Sache", wie er sie gerne nannte, denn sie war ihmSache der Menschheit, zu dienen, wagte es, nicht nur das Gegen-theil zu behaupten, sondern überließ sich ungehindert der ganzenLebhaftigkeit seiner Vorstellungen. Die Kaiserin schien von denGründen, die er zur Vertheidigung seines Satzes auführte, undder Neuheit des Gesichtspunktes, aus welchem er sie den Gegen-stand betrachten ließ, betroffen. Sie bezeugte ihm auf die schmei-chelhafteste Weise ihre Zufriedenheit.
Als einige Tage nach dieser Unterredung ein Gegenbefehl andie in Polen stehende Armee erschien, welche schon beordert war,zu den Truppe» der Koalition gegen Frankreich zu stoßen, be-hauptete man mit Recht oder Unrecht in der Hauptstadt allgemein,daß Laharpc'S Vorstellungen Einsiuß gehabt hätten. Dieser Um-stand vergrößerte wenigstens den Haß seiner Feinde gegen ihn.
Er machte sich endlich zur Abreise bereit. Die Belohnung,welche er für seine zwölfjährigen Dienste empfing, war unter demMittelmäßigen. Ein reicher Kaufmann hätte mehr gethan.
Katharina ließ ihn znm Abschiede vor sich, und war beinahegerührt. Paul I., der ihn immer geschätzt hatte, war seitdemgegen ihn so sehr gestimmt worden, daß man Laharpen schlechter-dings verhindern wollte, vor ihm zu erscheinen. Paul ließ ihnendlich zu sich auf sein Landhaus von Gatschina kommen, undbehandelte ihn nicht nur mit Achtung, sondern in der That mitvieler Herzlichkeit. Laharpc ahnete damals nicht, daß Paul einstseinen Sinn abermals verwandeln und ihm selbst die mäßige Pen-sion entziehen würde, welche er mit zwölfjähriger Arbeit verdienthatte. Am schmerzlichsten für Layarpe's gefühlvolles Herz warder Abschied von seinen geliebten Zöglingen, von welchen beson-ders der älteste immer viele Anhänglichkeit für ihn gezeigt hatte.