Druckschrift 
32 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 5 (1854)
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

Staatsmännern der Fremde. Denn diesen lag von jeher daran,durch Verbindung mit angesehenen oder Einfluß genießenden Män-nern in der Eidgenossenschaft entweder Geist- und Geschäftsverhält-niß derselben, oder Thnn und Treiben von Gesandten andererMächte kennen zu lernen.

Ohne glänzende Beredsamkeit hatte er die ausgezeichnete Gabe,lichtvolle Klarheit über jeden Gegenstand zu verbreiten, den rich-tigsten Gesichtspunkt festzustelle», und Mittel und Folgen so hellzu berechnen, daß er selten die Versammlungen des Rathes ver-ließ, ohne die entschiedensten Gegner seiner Meinungen wenigstenserschüttert zu haben. Mit jener Würde, die ihn als erste Magi-stratsperson einer aristokratischen Verfassung umgab, verschwisterteer die Leutseligkeit, welche dem ersten Bürger gegen Mitbürgerwohlansteht, und auf den Namen ihrer Freiheit stolze Schweizerleiten konnte. Wohlstand und Ehre des ihm anvcrtrauten Vater-landes waren sein Idol: nachsichtsvoll gegen den Untergebenen,gefällig gegen den Freund, zärtlich im häuslichen Kreise der Fa-milie, stand er mit Festigkeit in angenommenen Grundsätzen.

So war Steiger, der Schultheiß Berns, wie ihn Freundekannten, wie ihn selbst der Mund derer schilderte, welche Eifer-sucht, oder Verschiedenheit politischer Meinungen von ihm trenn-ten. So blieb er, als Helveticn mit seinem schreckenvollsten Ver-hängniß rang, und die alte Eidgenossenschaft zusammenstürzte,unter deren Trümmern er sein Grab nahm.

Schon rührte Steiger fast an sein siebcnzigstes Lebensjahr, alsFrankreich die zerstörenden Plane des Ehrgeizes und der Raubsuchtentfaltete. Er hatte längst geweiffagt, daß, wenn die Umgestal-tung Frankreichs Bestand haben sollte, auch die Eidgenossenschaftin das allgemeine Unglück EuropenS gezogen werden werde. Dievereinte Kraft aller Mächte eines ganzen Wclttheils, gelagert gegenein durch Sittenverderbniß und Zwietracht gelähmtes Volk, flößten-