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Rache zu üben? Diese Sagen lebten; wie leicht ließ sich allesdaraus zur Fortsetzung von Chriemhildcns Liebe bilden?
Eben diese schöne Frau war zugleich eine Gönnerin, Freundin»nd geistliche Tochter des Bischofs Piligrin von Passa». Ersandte aus seinen Klöstern Verkünder des Evangeliums nach Un-garn; und ward selbst von der Königin dahin eingeladen*). Somochte der Dichter von Chriemhildcns Rache sie wohl des frommenund weit berühmten Bischofs „Niftel" heißen.
Ihr Gemahl, der Ungarkönig, so grausam er auch über dieSeinigen herrschte, wird doch wegen der Milde gerühmt, mit derer den Christen an seinem Hofe und in seinen Landen begegnete. **)Vermnthlich trug dazu die Freundschaft der Königin mit Piligrinnicht wenig bei. Doch dieser Ungarkönig war nicht Etzel, sonder»Gilzo oder Gelzo, oder Geisa***); vermnthlich hat man ihn imVolk auch wohl Chetzilo genannt, und der Dichter hielt sich um soberechtigter, das Lastruur Ulrariionis, die „Ezele Burch", für dessenSitz zu halten, und ihn mit dem fast gleichnamigen Etzelin desfünften Jahrhunderts zu verwechseln. So gut er Theodorich denKönig der Ostgothen (Dietrich von Bern) und Hawart denKönig der Dänen und Helden aller Völker und Zeiten zum Festnach Ungarn zusammenführte, machte er auch den Bruder Attila's,Blödelin-s), wieder zum Genoffen des zehnten Jahrhunderts.
*) Wie man in Piligrins Leben (bei Hansiz a. a. 0.1, 2SS) findet.
**) Beim Hansiz, 1, 207)
***) Geisa, der Vater des Königs Stephan des Heiligen. Giso undGitzo wird erJn mehrcrn alten Kroniken geheißen; Dithmar a.a.O.nennt ihn Dcjur. Man sieht daraus, wie verschieden damals dergleiche Name gesprochen und geschrieben werden konnte, //onro ^o-ro/il»L!»ru», nonu»e perii ausl?'. 1, 10t.
's) Attila tödtete seinen Bruder Bleda schon im I. 444.