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34 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 7 (1854)
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will ihn, der Kürze willen, künftig Chricinhildens Liebenennen; der andere Theil begreift die übrigen zwanzig Abenteuer,oder die Geschichte von Chricinhildens Rache. Dieser kannunabhängig vom ersten gelesen werden, welcher ebenfalls auf frühereSagen und Lieder hindentet, durch die er noch deutlicher sein würde,wenn wir sie besäßen.

Wohl möglich, daß beide Theile einerlei Verfasser haben;wahrscheinlicher aber, daß Chriemhildcns Liebe von einemältern Dichter gesungen worden, dem norddeutsche Sagen ver-trauter waren; daß Chricinhildens Rache von einem andern Sängerstammt, dem süddeutsche Sagen die bekanntesten gewesen sind. Viel-leicht daß der Süddeutsche Chricinhildens Liebe nur überarbeitete,um daraus mit dem Seinigen ein großes Ganze zu schaffen.

Denn das ganze Gedicht ist nur als dichterische Zusammen-reihung von Sagen anzusehen, unter denen die des ersten Thcilsmehr dem Norden, die des zweiten mehr dem Süden Deutsch-lands angehörten

So ward ja auch das älteste große Gedicht der Franzosen, derbekannteRoman von der Rose", mit dem Nibelungenliedegleichen Alters, im dreizehnten Jahrhundert, von'verschiedenenVerfassern zusammengesetzt. Bekanntlich sing Wilhelm von Lor-ris den Roman von der Rose an, und Johannes von Meunendete ihn; beide lebten um einige Menschcnalter von einanderentfernt. Den geschichtlichen Dichtern Frankreichs hatten in einemvorhergehenden Jahrhundert die provenzalischen, und den deutschengleichzeitig die schwäbischen Minnesänger Bahn gebrochen.

Daher wird es um so schwerer sein, den Namen des wahrenNibelungendichters zu ergründen. Mehrere können ans den RuhmAnsprüche machen.

Ich will, um meine Vermuthung zu rechtfertigen, ans denverschiedenen Inhalt beider Theile hinzeigen.