Druckschrift 
34 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 7 (1854)
Entstehung
Seite
315
Einzelbild herunterladen
 

315

die er, als seine ehemaligen Obern, jetzt regieren sollte. Wiein den Waldstätten, war dies fast in allen Kantonen der Fall.

Von gleicher Zweckwidrigkeit waren auch die, wegen revolu-tionärer Vergehungen, angewandten Strafmittel. Immer zwarwird es den helvetischen Zentralregierungcn ehrenvoll bleiben, daßste ihr Vaterland nicht mit jenen Abscheulichkeiten befleckten, welcheFrankreich geschändet haben. Selbst die mit dem Tode drohendenGesetze wurden nie vollstreckt. Dem ungeachtet kann man andereArten der Bestrafung, welche die Stelle von jenen ersetzten, nichtloben. Dahin gehörten die sogenannten Deportationen, unddie Verbannungen in den heimischen Distrikt.

Die Deportation entfernte den Sünder von seiner Heimat,in welcher er durch sein Betragen gefährlich zu werden drohte;die Einbannung schloß ihn in deren engen Bezirk, wie in eingeräumigeres Gefängniß. Diese beiden Nebel, in ihrer Art ganzentgegengesetzt, hatten dennoch einerlei üble Wirkungen.

Beim Antritte meiner Sendung schollen mir die bitterstenKlagen unzähliger Familien entgegen, deren Väter, Brüder u. s. w.,als Geisel für die innere Ruhe des Landes, hinweggeführt waren.

Nach genauer Untersuchung ergab sich, daß die Regierung schonvor meiner Ankunft Männer in diese Gegenden gesandt hatte,welche im Eifer, ohne allzuängstlichc Wahl, alles deportirt hatten,was ihnen gefährlich geschienen haben mochte.

Der Gebirgsbewohner scheut die Deportation wie den Tod selbst.Sie setzt ihn in eine fremde Welt. Erinnerung seiner leidendenFamilie begleitet ihn. Seine häuslichen Umstände gehen zu Grunde.Ich selbst bin Augenzeuge von dem Elende und der zerrüttetenWirthschaft mehrerer Familien gewesen, deren Häupter entführtwaren. Der Staat schlug mit dieser Strafe nicht den Strafbarenallein, sondern weit mehr noch viele Unschuldige, und sich selbst,