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So sehr können Rohheit und Armuth für die schönsten Empfin-dungen der Freundschaft, Liebe und Dankbarkeit den Sinn ab-stnmpfen, daß man gelassener,! Muthes den Verlust geliebter Ver-wandten, als den Verlust einiger Geldstücke erträgt. In mancherHirtenfamilie wird der Tod der einzigen Milchkuh lebhafter undlänger beklagt, als der Tod einer Mutter oder Hausfrau; in man-cher wird der Reinlichkeit und Gesundheit des Viehes bei weitemmehr Sorgfalt, als dem Wohle der eigenen Kinder gewidmet.Bei Halbwilden steht das thierische Bedürfniß höher, als dasHeiligste des Herzens; das Nützliche höher, als das Sittliche; derGewinn des Augenblicks höher, als die Tugend.
„Und wären noch zweimal mehr Mensche» drauf gegangen,wenn die Franken nur nicht Feuer angelegt hätten!" sagten mirzuweilen die Landleute in Nidwalden, wenn ich mit ihnen über dieFolgen des Aufruhrs sprach. Vielleicht trugen ihre religiösenMeinungen über die Seligkeit der Verstorbenen auch zur Gleich-gültigkeit gegen das Schicksal derselben bei. Inzwischen herrschtezu meiner Verwunderung unter den noch lebenden Unglücksgefährtenweniger Eintracht, als ich zu finden hoffte. Statt brüderlicherUnterstützung entdeckte ich Mißgunst von Mann zu Mann, vonGemeinde zu Gemeinde. Man verkleinerte sich gegenseitig; manweigerte sich oft lieblos, die Hand zu leihen, wo sie dringendnothwendig war.
Sobald ich in Stans mich mit den Obrigkeiten des Bezirks inVerbindung gesetzt hatte, war das erste Geschäft, auf die Gefan-gene» Rücksicht zu nehmen, welche alle Gefängnisse füllten. Eswaren ihrer über dreißig Personen, von welchen der größte Theil,wegen politischer Verbrechen, an das zu Rapperswyl nieder-gesetzte Kriegsgericht abgeführt werden sollte. Die meisten der-selben waren unbeweibte, vermögenslose Mensche», welche denAufstand als Erwerbsmittel behandelt zu haben schienen. Ich ließ