Doch am wenigsten geneigt Ware» zur Unterstützung solcherWagstücke die begüterte» Einwohner des großen Renßthales, undbesonders des schönen Fleckens Altorf, des Ländleins Hanptort.Sie ermahnten und sprachen: „Noch haben wir durch die Staats-Verwandlung weder an unserer Religio» noch an unfern GüternSchaden gelitten. Erwarten wir mit Mnth jedes Nebel, doch rufenwir cs nicht durch eigene Thvrheit über uns!"
Durch Speditionshandel an der großen Straße, die ans derSchweiz über den Rücken des St. Gotthard gen Italien führt,war Aktors einer der reichsten Flecken im Schoose der Alpen,mit schönen Gebäuden, Kirchen und Klöstern. Aber die Landleuteder Nachbarschaft, voll Neides gegen den Wohlstand des Ortes,dem ste einen großen Theil ihrer Nahrung und Unterstützung zudanken hatten, sahen in seinen Bewohnern nur Feinde der altenFreiheit. Manche Seelenhüter, um die Huld ihrer Heerde zu ge-winnen, stimmten in den Ton derselben, und verglichen im unbe-dachtsamcn Kanzelciscr den Hanptort wohl gar mit Sodom undGomorrha. Andere erkannten in den Leiden des Vaterlandes dieZornruthc Gottes wegen der Pracht und Hoffart und der eitelnWeltlust der Söhne und Töchter Altorss.
Man verkündete nahes Unglück. Landleute warnten wohl ihreFreunde im Flecken, es heiße: Altdorf werde verbrannt werden.—Doch wenige konnten der Drohung Glauben schenken.
Aber am 5. des Aprilmonds, Abends um 4 Uhr, als ein starkerFöhn durchs Land blies, ging plötzlich in einem Winkel des Fleckens,am Fuße des Bannbergs hinter der Hauptkirche Feuer aus. Bren-nende Schindeln, vom Wirbelwinde getragen, stürzten wie Feuer-regen auf alle Gegenden des Ortes nieder. Bald stand die Kirchein Flammen. Der Befehlshaber der französischen Besatzung wollteMauern und Thurm derselben nicdcrschießcn lassen, weil der SturmFlammen an Flammen abriß und über den Flecken ausstreute.