Druckschrift 
34 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 7 (1854)
Entstehung
Seite
291
Einzelbild herunterladen
 

291

Züricher im Erlimoos stand ihr auch bei und sagte: seine Ka-meraden würden sich auf solche Weise versündigen und nichts ge-winnen. Baptist Arnold drang gleichfalls zu ihr und versichertesie: es müsse Niemand sterben. Aber die übrigen stießen die Frauvon einer Stube zur andern, und zum Viertenmale aus der Hüttehinaus in die Nacht, bis sic endlich ihr fünfjähriges Töchterlein,das im Bette lag, zunächst an der Ermordung erblickte und inOhnmacht sank. Endlich zogen die Rasenden ab, führten die Schwesterder verlassenen Frau aufs Nathhaus und mißhandelten sie. Dennochsagte ihr Karl Schon, sie müßte sich nun an ihn halten, dennder Mann ihrer Schwester werde erschossen, oder verbannt werden,weil er nicht mit ihnen halte. — Als die Frau Meyenberg fol-genden Morgens am Fenster saß, ging Addrich Staub, einKnecht in der Schwend, vorüber und rief: „Schau nur heraus,du Erzvaterlandsschelmenhere! heute Nacht will ich dir den Kopfspalten!"

Das Vordringen der fränkischen Truppen unter Soult machte,wie in Schwyz, auch in diesen Gegenden den Rasereien Ende.Aber die Eifrigsten, welche, ohne Eigenihum, aus der öffentliche»Verwirrung Beute zu machen hofften, flohen ins Land Uri, woder Sammelplatz aller Flüchtlinge dieser Art war, und die aufge-wiegclten Landleute ebenfalls zum Schirm der Religion und altenOrdnung die Waffen genommen hatten.

Schon früh im Monat März waren hier Sagen gegangen, vomAnrücken eines kaiserlichen Heeres, von Rettung und Wiederbe-lebung des kleinen Freistaats Uri unter den Flügeln des Reichs-adlers. Einige Geistliche, besonders in den Gemeinden von Erst-felden und Secdorf, athmeten kriegerischen Geist. Verbundenmit ihnen wirkten einige weltliche Herren, welche durch die Revo-lution ihres Einflnsscs und Ansehens und mancher Hoffnung be-raubt worden waren.