Druckschrift 
34 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 7 (1854)
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

237

Zentralregicrung, daß sie die höchsten Kantonsbeamte» aus derMitte der Kantonsbürger wählte. WaS dem unbekannten Fremd-ling verziehen worden wäre, ward dem Manne, der durch tausendkleine Nebendinge, durch stärkere und zartere Bande an seine Hei-matsgenossen geknüpft war, zum Vorwurf; was man vom Fremd-ling als Wöhlthat empfangen hätte, sah man vom Mitbürger alsSchuldigkeit an. So gebrach fast überall in der Schweiz denöffentlichen Beamten das Zutrauen der Menge; und Furchtmußte nur zu oft die Stelle der Liebe ersetzen.

5 .

Napinat, Frankreichs Kommissär, und seine Gefährten ent-führten die Schätze der Städte. Die Schweiz lag mißhandelt,wie ein erobertes Land. Nicht nur, daß Feldherren nnd Kom-missäre bald hie, bald dort bedeutendere Gegner der Revolutiondeportiren ließen, nnd Jammer stifteten in zahllosen Familien,verfuhren sie selbst gegen die von ihnen eingesetzten höchsten Ge-walten der jungen Republik nnd deren Beamten ohne Achtung.Die beschimpften nnd verhöhnten Obrigkeiten, welche mit ohn-mächtiger Kraft den Räubereien und Gräueln französischer Dik-tatoren entgegenrangcn, fanden im Volke, welches sie zu schirmennicht Macht hatten, keine lohnende Gesinnung der Dankbarkeit.Frankreich, dessen Grundsätze ehemals siegreicher, denn seine Waffen,Europens Völker durchdrungen hatten, verlor hier das öffentlicheVertrauen eines Welttheils durch gewissenloses Spotttreiben mitden heiligsten Rechten der Menschheit.

Mnthig ertrug man indessen alle Leiden im ebenen Helvetien,wo die Freiheit gewonnen war. In den Bergkantonen ward dieTirannei der französischen Machthaber minder empfunden, weil in