„Meine herzliebe Mitlandsleute, wenn jemals brüderliche Ein-tracht und gelassene Ueberlegung nöthig gewesen, so ist es gewißjetzt. Aber es ist hier nicht die Frage: ob die alte oder neueSchweizcrverfaffung besser sei, sondern ob man ferner» Krieg, oderdie Kapitulation wähle? Ihr kennt unsere Lage; ihr wisset, Muthund Tapferkeit mögen unsere Verfassung nicht mehr retten, derMangel an Mannschaft machte die anhaltende Verteidigung un-sers Vaterlandes unmöglich. Dies war die Ursache, warum ihrselbst gestern Unterhandlung begehrt habt. Der fränkische Ober-befehlshaber gab sie und ehrenvoll für euch. Religion und Eigcn-hnm sind durch sie behütet."
„Ihr sagt: wir haben geschworen, lieber den Tod, als dieKonstitution! Fern sei Meineid! — Wir haben aber geschworen,im Glauben, daß die neue Verfassung unserer Religion gefährlichsei. Seitdem die Kapitulation uns unsere Religion unverletzt zu-sichert, fällt jener Grund, deswillen wir schwuren, hinweg. Dennsagt die neue Verfassung das Gleiche, so dürft ihr sie ohne Ge-wissensbeschwerde annehmen. Redet sie anders, so bleibt ihr beider Kapitulation.
„Ihr sprecht: man darf den Franken nicht trauen! — Ist dieseuer Ernst? Leget ihr nicht in eben diesem Augenblick den größtenBeweis eures Vertrauens gegen die Franken ab, indem ihr, aufihr Ehrenwort bauend, hier bcrathschlaget, inzwischen eure Grenzennun von allen Seiten unvertheidigt offen stehen, und eure Kanonenund eure Munition nur von kleinen Wachten behütet, binnen we-nigen Augenblicken genommen sein könnten? Ein solches Zutrauenauf sein Versprechen hat das fränkische Volk gewiß noch nie em-pfahen. Wenn ihr nun euch mit so vieler Zuversicht auf ihr Ver-sprechen verlasset, da sie noch Feinde und so nahe an unfern Grenzensind: warum solltet ihr ihnen nicht vertrauen, wenn sie von »nsentfernt, und unsere Freunde sind?