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welches mit jedem Augenblicke steigend znm wildesten Getöse über-lief. Die Meinungen waren im Kampf. Es war das letzte, ge-waltsame Ringen zwischen Nothwendigkeit und Neigung, Neuerungund Alterthum in jeder Brust; die letzte Krisis eines mehr alsdreihnndertjährigen Staatskörpcrs, der nun der Auflösung nahe war.
Man sprach von dem, was die Borwelt gcthan für Freiheit;was Pflicht noch jetzt heische; man berechnete, was man verlöremit einer Landesverfassung, die seit Jahrhunderten Freiheit undFrieden gewährte, gegen den Gewinn einer Verfassung, die mannicht kannte; man verglich das Vergangene mit dem Künftigen,das Gewisse mit dem Ungewissen. Einige fürchteten den Untergangaller Religion; andere erinnerten an den feierlichen Eid, lieber zusterben, als die Verfassung zu ändern; andere gedachten der bisher er-fochtenen Siege; andere, daß man den Franken nicht vertrauen dürfe.
Die Verschiedenheit der Gründe und Begriffe vermehrte dieHitze. Das Schreien und Toben dafür und dagegen ward allgemein.Umsonst suchten die Gelassener» Herstellung der Ruhe. Man wolltekeinem Rath, keiner Vorstellung weiter Gehör geben. Viele gingenvon der Gemeinde, um ihren Schmerz freier austoben zu lassen.
Diese Verwirrung, dieser Sturm, der alle Berathschlagnnghemmte, hatte schon eine halbe Stunde gedauert. Viele drohteneinander mit geschwungenen Säbeln, andere zielten mit geladenenGewehren. Rings von Feinden umgeben, schien das erbitterteVolk jenen die Mühe erleichtern und sich selbst vernichten zu wollen.
Endlich erhob sich auf der Bühne der Chorherr Schneller,ein Mann, geachtet beim Volk, wegen seines Biedersinns unduntadelichen Wandels. Es war aber die Sitte dieses Volks, daß,wenn ein Geistlicher zu ihm redete, Jedermann das Haupt ent-blößte. Also geschah es von den Nächststehenden, und pflanzte sichfort; Schneller benutzte di? beginnende Stille, und sprach mit Ernstund Schmerz: