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Jetzt erschien ein Brief, geschrieben an bas Volk von einemseiner ehrwürdigsten Hirten, dem Dekan Tanner, in welchemdieser rechtschaffene Greis seine Gesinnungen folgendermaßen aus-drückte :
Getreue, herzliebe Mitlandsleute und Brüder!
In gegenwärtigen so gefährlichen Umständen meines und Eureslieben Vaterlandes, da ich wegen Alters und schwachen Kräftenaußer Stande bin, vor Euch persönlich zu erscheinen: so finde ichmich durch mein Gewissen verbunden, mit Euch schriftlich zu spre-chen; vernehmet also die Gesinnungen eines zwar unwürdigen Prie-sters, der aber schon zweiundfünfzig Jahre in diesem Lande ver-pfründet, und, wie den meisten aus Euch nicht unbewußt, fürReligion und Vaterland immer gethan hat, was in seinem Ver-mögen war. Herzliebe Brüder, lasset doch um Gotteswillen in diesermißlichen Lage gesunde Vernunft und Geduld walten; wollt Ihrdenn, von allen unser» Brüdern verlassen, durch fernern blutigenWiderstand Euch Euer» Weib und Kindern, und mit Euch denselbenTrost und Erziehung entreißen? folglich Euch und das Vaterlandnoch unglücklicher machen? Ach liebste Brüder, von zwei anschei-nenden Nebeln ist das kleinere zu wählen. Seid Ihr für EureReligion, für Person und Eigenthnm so viel möglich versichert:so thut und schließt nach jetzigen Umständen. Hoffet und vertrauetauf Euer» Gott und noch waltende Menschenliebe. Seid einig undverschaffet Euch Ruhe und Frieden.
Dieses rathe und bitte ich Euch auf mein Gewissen und Leben.
Seb. Anton Tanner,unwürdiger Decan und Pfarrer.
Muottathal, den 4. Mat 1798.
" Bisher war das Volk ruhig geblieben; als man aber zum Ab-stimmen schreiten wollte, erhob sich umher ein dumpfes Murmeln,Zsch. Ges. Schr. 34. Thl. 9 '