44
Damit aber gleiche Gesinnung und Entschlossenheit auch dieandern Bundesstaaten beseelen möge, wurde den Gesandten be-fohlen, sich mit den Abgeordneten der übrigen vertraulich zu be-rathen, auf welche Weise die „dem Vernehmen nach" in denaristokratischen Ständen zwischen Volk und Herrschaft gährendenMißhelligkeiten am besten beseitigt werden könnten, auf daß dasVolk jeglicher Zeit sich für die Verheidigung gemeinsamen Vater-landes und eigener Erhaltung bereit finden lasse.
Gen Bern aber verordnete das versammelte Volk, als Bundes-rath, den Alt-Landammann Karl Reding, gewandt in Staats-geschäften und einnehmender Rede, mit dem Auftrag, „durch güt-liche Verwendung in Allem mitzuwirken, was Erhaltung undRuhe des Standes Bern und gesammter Eidgenossenschaft berührenkönne."*)
2 .
Bern war jetzt in großen Bewegungen. Seit dem Jahr 153Khatte es über das anmuthige Gelände geherrscht, welches sich, vomJuraffus und Jorat im West und Ost nmgürtet, am mitternächt-lichen Ufer des Sees Leman, wie ein prachtvoller Garten, aus-breitet, das Waadtland geheißen. Ein lebhaftes, geistvollesVolk baut dort an den Hügeln Wein und allerlei Getreide; aberdie innern Verhältnisse der Städte und Dorfschaften beschränktenschon lange die allgemeine Wohlhabenheit. Auch war dies Gebietvor Altem mit Rechtsamen und Freiheiten auSgestattet, welcheallmälig unter Bern verloren gegangen.
Die Waadtländer, durch einige ihrer kühnern Mitbürger, undnoch mehr von geheimen Verheißungen Frankreichs aufgemuntert,
*) Instruktion, 23. Dezember.