Frankreich sehnte sich nach Frucht von seinen Siegen, nacheigener, währender Sicherheit — nnd beschloß Staaten gleicherNatur um sich zu schaffen.
Darum begünstigte es mit gewaltigem Arm Staatsumwälzungender Nachbarländer. Also entstanden die Republiken Batavia,Cisalpinien, Ligurien nnd Rom.
Völker zu Völkern stehen zu einander im rohen Naturstand;unter ihnen gilt die Gewalt und das Kommliche. Auf Erden wirdkein Völkerrecht herrschen, so lange nicht die Menschheit mehrWeise und Tugendhafte, als Thoren und Knechte der Leidenschaftzählt, oder so lange nicht jeder Welttheil sein Staatcntribunalträgt, vor dem sich Nationen richten lassen, wie in den Träumender Dichter.
Es ist freilich schmerzhaft, wenn unterm Druck der Nothwen-digkeit das Recht erliegt; doch den Weisen tröstet es, aus zer-malmten Formen des Alten de» Keim besserer Schicksale hervor-treiben zu sehen.
Die Besitznahme Helveticns, dieser am Berührungspunkt dreierder herrlichsten Länder EurvpenS gelegenen Naturschanze, welchedie Eroberungen in Italien decken, des Kaisers Erblanden drohen,Frankreichs unbewehrteste Seite schirmen konnte, war zu jenerZeit für die französischen Machthaber vielleicht auch der Schätzewillen wichtig, welche seit einem-Jahrhundert die Sparsamkeitmehrerer Negierungen dort gesammelt hatte. Man beschloß alsozu Paris die Auflösung der alten Eidgenossenschaft mit so großemFrevelmuth, als man mit großer Arglist sogleich ans Werk schritt.Man zettelte gegen einzelne Regierungen Händel an, schmeicheltedie übrigen, rief vergessene'Ansprüche ins Leben, ermunterte dieMißvergnügten des Landes, beruhigte die Argwöhnischen, lieb-koset? die Einen, schreckte die Andern, und verwirrte Alle mittäglich wechselnden Vorspiegelungen und täglich veränderter Sprache.