Druckschrift 
34 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 7 (1854)
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

licher zu der Landesverwaltung Stimme gab, war dennoch demBeobachter dieser StandeSnnterschied unverborgen. Die Armuthist des Reichthums Magd, und die Unwissenheit ist der EinsichtSklavin.

Daher genoß das Volk, obgleich einer ungebundenen Freiheittheilhastig, dennoch derselben Wohlthaten nicht alle. Es blieb,wie es im vierzehnten Jahrhundert erschienen war, am Untergangdes achtzehnten, arm, ungebildet, kindlich. Nicht eigentlich desFelseubodenS Kargheit entfruchtete die Freiheit, so ihm drei Heldeneinst auf Grütli stifteten; sondern Aberglaube, Vorurtheile, Ge-wohnheit.

Der Hirt, von Kindheit zur Wirthschaft nach alter Uebung an-gcleitet, abgclenkt vom Erlernen des Bessern, unkundig höhererBedürfnisse, zufrieden, seines Lebens Nothdurft zu stillen, berech-nete das Erdcnglück nach der Zahl müßiger Stunden, und dieWeisheit nach der Menge wunderlicher Vorurtheile.

Seine kleine irdische Habe zu erhalten, und des Kirchenglau-bens treulich zu pflegen, war der Inhalt seiner Tagewerke undder Kern seiner Lebensweisheit. Vertrauensvoll auf der VäterEinsicht, entfernte er sich nie ans deren Kreisen und Grenzen.Daher ward jede Neuerung von ihm gleich einer Sünde gegen dieehrwürdigen Schatten der Vorwelt geachtet; er sah dabei entwederseinen Wohlstand oder seine Religion gefährdet.

Selten verließ er in neuer» Zeiten die heimatlichen Thäler.Das Urbild zu allem Großen lag für ihn im Leben und Thunseiner Altvordern. Ihre Thaten beschäftigten sein Gedächtnis.Europa hat kein Land, worin die Geschichten der vaterländischenVorzeit so unvergessen und neu geblieben, so jedem Kinde bekanntwaren, als in jenen Gebirgen. Seit den Thaten Tests und demKampfe von Morgarten schienen nur so viele Jahre verflossen zusein, als es Jahrhunderte waren. Noch immer stolz auf diese