18
und Kindern knieend unterm freien Himmel auf der Wiese lagen,auf welche sie im Jahr das erstemal ihr Vieh zur Weide trieben(ein Gebrauch, der sich noch in unfern Tagen nicht verloren hat) —eben dieselbe» zerstörten im Kriege Kirchen und Klöster, mißhan-delten gottgeweihte Personen am geplünderten Altar, und selbstihre heiligsten Festtage bezeichnetcn sie nur mit glänzenden Siegen.
Der Aberglaube und die Freuden des Heidcnthums, zu theuerdem bilvungslosen Naturmenschen, behaupteten lange Herrschaftüber den Gebirgsbewohner. Sie fanden in dessen Gemüths- undDenkart mächtige Schutzredncr gegen des strengen ChristenthumSGlaub' und Lehre. — Manches davon psianzte sich durch die Ge-schlechter fort bis zu unfern Zeiten, so sehr auch frommer PriesterEifer dagegen zürnte.
Dahin gehörte, um bezeichnende Beispiele zu geben, untermanchen andern Hebungen auch das Zu-Kilt-Gehen, oder desLiebenden nächtlicher Besuch bei der Geliebten vor der Hochzeit.Der Jüngling, am Tage mit häuslicher Arbeit beschwert, kannnur die der Ruhe geweihten Stunden zum Umgang mit seiner, inentfernter Hütte wohnenden Freundin erübrigen. Hier lernt er siekennen; hier werden Entwürfe gesponnen für die Zukunft. Min-der gefahrvoll für die Unschuld, als jetzt, scheint ehemals bei ein-facherer Lebensweise diese Uebnng gewesen zu sein. Die Aeltern,eingedenk ihrer Jugend, wehrten minder des Freiers nächtlichenEintritt zum Kämmerlein ihrer züchtigen Tochter, als es der Jüng-linge Eifersucht selbst that. Vermummt und mit verstellter Stimmelauerten diese gewöhnlich den Nebenbuhlern auf, die ihnen in glei-cher Verkappung begegneten. Unter den Fenstern der Geliebtenwar gemeinlich der Kampfplatz. Das Mädchen ehrte den von denJünglingen gefürchteten Sieger. — Noch heutiges Tages kennendie liebenden Mädchen in den Schwyzergebirgen das Getöse derNachtbuben.