Gewisser als jene Sagen sind die Verdienste der fränkischen Kö-nige um die Bekehrung der helvetischen Gebirgsbewohner. Ebenso eifrig, ihre weltliche Macht auszubreiten, als das Reich derchristlichen Kirche, mußte diese Kirche den Gewaltthatcn der Er-oberer gegen friedliche Völker bald Anlaß, bald Heiligkeit geben.
Die Christen der Gebirge blieben aber ohne eigentlichen Hirtenund Bischof, bis zur Errichtung des Bisthnms Konstanz (I. 570).Da wurden sie in geistlichen Angelegenheiten, so wie der gesummteZürichgau, diesem einverlcibt.
Noch länger verzog sich die Eintheilung des Landes zu Pfar-re ien, welche erst im zwölften Jahrhundert zu Stande gekommenzn sein scheint. Vorher waren in den Waldstätten nur wenigeKirchen, wohin das Volk aus dem ganzen Lande zehn- oder zwölf-mal des Jahres Zusammenstoß, seiner Andacht zu pflegen. Ausalter Ueberlieferung wissen wir, daß die Länder Unterwalden undSchwhz (wahrscheinlich in den Zeiten des sechsten und siebentenJahrhunderts) lange nur einen einzigen Priester gemeinsam be-saßen , und daß die Christen von Schwyz einmal zur Kirche St. Ja-kob auf Ennetmoos in Unterwalden, das andcremal die Unterwald-ner zur alten Kirche auf Dberg gezogen sind.
Als sich nun in den Thälern das Häuflein der Gläubigen mehrte,vervielfältigten sich im gleichen Verhältniß ihre Andachtsstätten.ES geschah besonders im achten Jahrhundert. Doch blieben ihreTempel lange ohne jenen äußern Pomp, welche in andern Gegen-den den Verfall der Religion verschleiern mußte, den er nicht ab-wchren konnte. Die Kirchen waren meistens von Holz; statt derGlocken diente ein Horn, dessen Schall die Schaaren der Andäch-tigen versammelte; kein goldener Kelch schmückte den Altar; einhölzerner genügte, und zu Meßgewand und Fahnen, Linnen.
Bei der Seltenheit der Priester in frühern, und ihrer Unwis-senheit in spätem Zeiten, konnte es nicht fehlen, daß das Christen-