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Das Hirtenlebcn, kunstlos und einfach, stillte die ersten Be-dürfniffe'der Alpenbewohncr. Sie sehnten sich, in ihrer Armnthreich, keinem fremden Gewinn nach. Künste, Handwerke und höhereWissenschaften blieben unbekannt. Jede Familie verarbeitete selbstden rohen Stoff zur Bekleidung, und wußte ihr einfaches HauS-gcräthe zu bereiten.
Die Wohnungen, von in einander gefugten Baumstämmen er-baut, waren in Thälern und an Gebirgshalden zerstreut. JedeHütte eignete sich die nächstangrcnzcndc Flur zu; die übrigbleibcn-den Striche Landes und die weitläufigen Alpen bcwirthschaftetendie Hirten gemeinsam mit den Hccrdcn. So entstanden jene weitenGemeingüter, oder Allmeinden, an welchen jeder Landsmann,reich oder arm, Genuß hatte.
Die einfache Vertheilnng des Bodens, diese Vereinsamung derWohnungen, und der lange Aufenthalt der Hirten während dermilden Jahrszeit auf den Alpen, verminderte den traurigen Streitüber das Mein und Dein, welcher in andern Ländern nur allzu-schnell das Gewebe der gesellschaftlichen Ordnung verwirren und»erkünsteln mußte.
Die Hirten, im gemeinschaftlichen Besitz so vielen Eigcn-thums, konnten nicht einer einzigen Person überlassen, darüber zuverfügen. Vor der Auffahrt in die Alpen und ihrer langen Tren-nung versammelten sie sich, alle Gemeinden des Landes in eineeinzige. Diese Landesgemeinde verband Meinungen undWünsche der Hirten zu einem Gesetz, dem Jeder gehorche» mußte.Nach hier gegebenen Ordnungen ward das ganze Jahr, und solange gerichtet, als sie vom gesammtcn Volk genehmigt blieben.Einem erfahrnen Biedermann, welcher des öffentlichen Vertrauensgenoß, wurde die Vollziehung der Gesetze übergeben, und ihm einRath von einigen Landleuten zugesellt. Er trug de» Namen Land-ammann, ohne höhere Macht und eigenthümliche Vorrechte. Ein