rem Ausdruck der Gesichtszüge sie einlud, ihren Sitz wiedereinzunehmen — „Nein, so verlaßt Ihr mich nicht; wir müssennoch weiter mit einander reden. Warum sollte ein Wesendie Hülfe eines Andern verlangen? Warum sollte nicht Je-der sich selbst genügen? Blickt umher — ich, von Allen ver-achtet und abgelebt im Reich der Natur, habe Mitgefühl undHülfe von Niemand verlangt. Diese Steine habe ich miteigenen Händen auf einander gehäuft; dieses Geräth mit eige-ner Hand geformt, und mit diesem" — er legte seine Handmit einem trotzigen Blick auf den langen Dolch, den er stetsunter dem Kleide trug, und zog ihn so weit hervor, daß dieKlinge in dem Flammenlichte glänzte — „mit diesem" fuhrer fort, als er die Waffe in die Scheide zurückstieß, „kann ichim Nothfall den Lebensfunken in so einem armen Rumpfe ge-gen den schönsten und kräftigsten Mann vertheidigen, der michmit Gewaltthätigkeit bedroht!" Nur mit Schwierigkeit hieltIsabelle einen lauten Ruf des Schreckens zurück; sie über-wältigte jedoch ihre Furcht. „So ist das Leben der Natur,"fuhr der Klausner fort, „einsam sich selbst genügend und un-abhängig. Der Wolf ruft nicht den Wolf zu Hülfe, wenn erseine Hohle baut, der Geier ersucht nicht einen Andern, wenner auf seine Beute herniederfahren will."
„Und wenn sie sich nicht Hülfe verschaffen können?" fragteIsabelle, indem sie scharfsinnig bedachte, daß er Gründen,welche sie, in seinen bilderreichen Styl eingehend, ihm ange-ben werde, am meisten zugänglich sein werde, „welcher Artdann ist ihr Schicksal?"
„Laßt sie vor Hunger sterben und vergessen werden."
„Es ist das Loos der wilden Naturgeschlechter," sagte Isa-belle, „und vorzugsweise solcher, welche bestimmt sind, vomRaube zu leben, der keinen Theilnehmer erträgt, es ist nicht