Druckschrift 
20 (1852) Der schwarze Zwerg und eine Sage von Montrose
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

172

Isabelle, ich bin ernst, vorerst aber frage ich Ench, habtIhr keinen Verdacht, das; ich Antheil an dem sonderbaren Vor-fall hatte, der sich gestern Morgen ereignete?"

Ihr, Herr!" antwortete Isabelle; sie stammelte im Be-wußtsein, das; er ihre Gedanken richtig errathen habe, ebensowie in Scham und Furcht, die ihr einen so entwürdigendenund unnatürlichen Verdacht untersagten.

Ja," fuhr er fort,Euer Stammeln gesteht, das; Ihr einesolche Meinung hegtet, und mir fallt jetzt die peinliche Auf-gabe anheim, die Wahrheit anszusprechen, das; Euer Verdachtmir keine Ungerechtigkeit erwies. Aber hört ans meine Be-weggründe. In böser Stunde ermnthigte ich die Bewerbungdes Sir Frederik Langlcy, denn ich hielt es für unmöglich,das; Ihr einen bleibenden Einwurf gegen eine Heirath habenkönntet, wo die Vortheile in den meisten Hinsichten auf EurerSeite waren. In einer noch schlimmeren Stunde ließ ich michmit ihm auf Maßregeln zur Wiedereinsetzung unseres verbann-ten Königs und zur Wiederherstellung der Unabhängigkeit mei-nes Vaterlandes ein-'Er hat mein argloses Zutrauen benutzt,und jetzt liegt mein Leben in seiner Hand."

Euer Leben, Herr?" fragte Isabelle mit schwacher Stimme.

»Ja, Isabelle," fuhr ihr Vater fort,das Leben dessen, derEnch das Leben gab. Sobald ich das Unheil einsah, in wel-ches ihn seine besinnungslose Leidenschaft Hinreißen würde (umihm Gerechtigkeit zu erweisen, glaube ich, das; sein unvernünf-tiges Verfahren ans einem Uebermaß der gegen Ench gehegtenLeidenschaft entspringt), suchte ich mich aus der Verlegenheit,worin ich mich befand, durch einen annehmbaren Vorwandhinsichtlich Eurer Abwesenheit ans einige Wochen zu retten.Zn dem Zweck wünschte ich, im Fall Euer Widerwillen gegendie Heirath nicht zu überwinden wäre, Euch im Geheimen ans