171
auf die Ausführung der beabsichtigten Darlegung zu verwen-den. Obgleich ein im Betrug gewandter und ehrgeizigerManu, entbehrte er nicht so sehr der natürlichen Liebe, umnicht über die Rolle zu erschrecken, welche er jetzt zu spielenim Begriff stand, damit er die Gefühle eines gehorsamen undliebevollen Kindes für sich benutze; die Gedanken jedoch., daßseine Tochter im Fall seines Erfolges nur überlistet würde,um eine vortheilhafte Heirath zu schließen, und daß er selbst'im Fall des Mißlingens ein verlorner Mann sei, waren voll-kommen genügend, um alle Einreden seines Gewissens zubeschwichtigen.
Als er cintrat, saß Miß Vere am Fenster ihres Zimmers;sie stützte das Haupt ans die Hand und war in Schlummerversunken, oder mit ihrem Nachsinnen so tief beschäftigt, daßsie das Geräusch bei seinem Eintritte nicht vernahm. Er tratzn ihr mit einem tiefen Ansdrnck des Kummers und Mitge-fühls in seinen Zügen, setzte sich an ihre Seite und nahm ihreAufmerksamkeit durch einen ruhigen Händedruck in Anspruch,eine Bewegung, die er mit einem tiefen Seufzer zn begleitennicht unterließ.
„Mein Vater," sagte Isabelle, mit einer Art plötzlichenAuffahrens, welches wenigstens ebensoviel Besvrgniß, wieFreude oder Neigung verrieth.
„Isabelle," sagte Vere, „Euer unglücklicher Vater kommtjetzt als ein Büßender, um die Vergebung seiner Tochter we-gen einer Beleidigung nachznsnchen, die er ihr im Uebermaßseiner Liebe erwies, und alsdann ans immer von ihr Abschiedzu nehmen."
„Wie, Herr, eine mir erwiesene Beleidigung? Ihr wolltauf immer von mir Abschied nehmen, was soll das heißen?"fragte Miß Vere."