Druckschrift 
20 (1852) Der schwarze Zwerg und eine Sage von Montrose
Entstehung
Seite
239
Einzelbild herunterladen
 

239

hundert Jahre früher Geltung hatte, allein das Geschlecht derdemselben unterworfenen Unterthanen war unter sehr ver-schiedenen Gefühlen ausgewachsen. Die Niederländer hattenin Rnheim Schatten ihrer Weinstöcke und Feigenbäume"gelebt, und ein Ausruf znm Kampfe erheischte eine ebenso neue,als unangenehme Veränderung der Lebensweise. Diejenigen,welche in der Nähe der Hochlande wohnten, standen in fortwäh-render und nachthciliger Berührung mit den rastlosen Stäm-men der Gebirge, welche ihre Viehheerden wegtriebcn, ihreWohnungen plünderten und ihre Personen beschimpften, welcheferner diejenige Art der Ueberlegenheit sich erworben hatten,die aus einem fortwährenden System des Angriffs hervorgeht.Ans die in größerer Entfernung und außerhalb des Bereichsdieser Plünderungen wohnenden Niederländer wirkten die über-triebenen Berichte hinsichtlich der Hochländer ein, die sie alsgänzlich in Sprache, Gesetz und Kleidung von ihnen verschie-den, als eine Nation von Wilden zu betrachten sich gewöhnten,welche ebensowohl für die Empfindungen der Furcht, wie derMenschlichkeit unzugänglich seien. Diese vorgefaßten Meinun-gen, welche zu den weniger kriegerischen Gewohnheiten derNiederländer und zu ihrer unvollkommenen Kenntniß des neuenund verwickelten Disciplinsystems statt ihrer natürlichen Kampf-weise hinzukamen, brachten sie in großen Nachtheil, sobald sieden Hochländern im Schlachtfelde entgegenstanden. Die Ge-birgsbewohner im Gegentheil besaßen neben den Waffen unddem Muth ihrer Väter auch deren einfaches und natürlichesSystem der Taktik, und griffen mit dem vollkommensten Ver-trauen auf den Sieg den Feind an, bei welchem Alles, waser von Disciplin erlernt hatte, eher ein Hindernis;, als einHülfsmittel, gleich der Rüstung Sauls bei David, war, weilderselbe ihren Gebrauch noch nicht erprobt hatte.