370
her nach der Thür. „Ich kann ja doch unmöglich . . . bei Ihnenbleiben!" sagte sie in verschämter Verwirrung und Bangigkeit.
„Wie?" rief Wilmson: „wollten Sie mich verlassen? Wasder Himmel wunderbar genug gefügt hat, vernichten? Ganz Pots-dam weiß jetzt die wunderliche, ich möchte sagen, die tolle Be-gebenheit, weiß, Sie sind meine Braut, meine Anvermählte, meinWeib . . . o Clemcntine, welch ein Himmel liegt für mich indiesen Worten! — Wohin wollen Sie? Wer würde Sic aufneh-men? Ach, ich glaubte nicht, daß ich Ihnen so gleichgültig wäre;und doch nannten Sie mich gestern noch Ihren Freund. HabenSie denn kein Vertrauen, keinen Glauben an mein Herz?"
Sie sah ihm mit einem zärtlichen Blick in die Augen, reichteihm die Hand und sagte halblaut mit zitternder Stimme: „Ichglaube ja an Ihr Herz, aber nicht an mein unglaubliches Glück. —O Sie wissen es wohl, wie . . .ach, ich sollt' es nicht sagen,ich bin eine Verlassene. Sie waren mein einziger Freund auf Erden.Und wollten Sie es auch nicht sein, ich müßte dennoch — Ihre
Freundin bleiben. Ich habe Sie immer-" das Wort erstarb
auf ihren Lippen. Sie schlug in tiefem Erröthen die Blicke nieder.
Wilmson umschlang entzückt die Verschämte mit seinen Armenund drückte sie an sein Herz und sagte: „Was denn? immer . . ."
„Geliebt!" flüsterteste kaum hörbar, und sah mit Augen vollerThränen zu ihm empor. Da drückte er den ersten Kuß des Bräu-tigams, des Gatten ans die nie entweihten Lippen, und fühlteden schüchternen Gegenkuß.
Nun half sie ihm traulich das Zimmer ordnen und das Neben-zimmer. Wilmson besorgte durch den Auswärter des Hauses einstattliches Hochzeitmahl, das unter vier Augen genossen wurde;ließ von ClementinenS ehemaliger Herrschaft, die schon vom Schick-sal ihres Stubenmädchens unterrichtet war, die kleine Habe derNeuvermählten in seine Wohnung bringen, und alle Bekannte ab-