Wilmson war das Geschichtchen willkommen. ES diente zur Zer-streuung seiner Schwester, die das Tuch und den Mecrschaumkopfauf allen Seiten betrachtete »nd Namen und Stand der beraubtenSchönen entziffern wollte. Ihre weibliche Neugier war um somehr gereizt, da Fritz mit einer seltenen Begeisterung, die ihm,wenn er von Frauenzimmern sprach, nicht eigen war, über dieLiebenswürdigkeit der unbekannten Blondine sprach.
„Ich Hab' e-S nicht für möglich gehalten," rief er, „daß sowunderbarer Reiz, wie wir ihn nur überirdischen Wesen in unsererEinbildungskraft verleihen, in menschlicher Gestalt wirklich er-scheinen könne. Ihr Gehen war Schweben; ihr Bewegen unaus-sprechliches Einschmeichclu, ich möchte sagen, Musik für Augen;ihre Stimme nicht To», den das Ohr vernimmt, sondern Klang,der durch unser Inneres, wie aus Träumen, zittert; ihr Antlitzdas Antlitz eines kindlichen, in Andacht und Entzücken schweben-den Seraphs; ihr Blick ein gütiges, demüthigcs Lächeln voll über-irdischen Lichtes."
„Mit einem Wort," unterbrach ihn Vater Wilmson lachend,„ein himmlisches Luftbild von Svnncngold und Abendroth."
„Fast hätt' ich'S glauben mögen! " antwortete Fritz ganz ernst-haft: „Denn sehen Sic, in ihrem Gesichte war eine gewisse Klar-heit, ein gewisses Durchsichtiges, ein ... es läßt sich nicht mitWorten deuten, nicht mit Farben wiedcrspiegeln. Ich werde diesesGesicht, diese Gestalt, diesen Zauber, so lauge ich ein Gedächt-niß habe, nie vergessen."
Frau von Moos, die schon ein Plänchcn für Fritz entworfenhatte — auf ihrem Landgut am Bodcnsee wohnte eine Berwandtinihres verstorbenen Mannes, ein junges Mädchen, das ihr lieb war, —machte sauersüße Miene und sagte: „Fritz, deine künftige Frauwird auf keinen Fall mit deinem Gedächtnisse zufrieden sein."
„Ist dein Seraph nicht schon wieder in den Wolkenhimmel zu-