Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
262
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— Meines Wissens führte ich mit der Klugheit dieses Frauen-zimmerS weder feindlichen noch freundlichen Verkehr.

„Gebenedeitc Gnadenmuttcr! wozu länger dies trotzige Läugncn,wenn die Thatsachen schreien? Man hatte meiner armen Nichtein Triest das abscheulichste Mohrcngcsicht gegeben, und sie in dieLivree eines Jockei gesteckt, Alles auf Nibcra'S Befehl, damitNiemand unterwegs die Gefangene erkenne, oder, von ihrer Schön-heit gerührt, Mittel zur Flucht schaffe. Aber trotz Verkleidungund Entstellung erriethen Sie, mein Herr, Bcatriccns Geschlecht,und cs gelang Ihnen, dem crfahrungslosc» Kinde eine Leidenschafteinzustößen, in der es'nur noch Entehrung und Elend findet."

— Signora! — erwicdcrte der Schweizer ruhig und kalt: Neh-men Sie es gefälligst als Zoll von Hochachtung, welchen ich IhremGeschlecht weihe, wenn ich, nach diesen etwas unbedachten Vor-würfen, Ihnen nicht mit Verachtung den Rücken zukehre. Nie,auch nur im Traume, fiel mir bei, daß Ceechiuo eine Gräfin ausSizilien sei. Der Einfall wäre selbst der donguirotischcn Einbil-dungskraft vernarrter Nomaulescr zu stark gewesen.

„Nicht doch, mein Herr, ich bitte: kein Nufbrauscu! Verletzenwir die Grenzen des gemeinen Anstandes nicht. Ich selber ent-schuldige Sie allerdings, Sie mußten damals glauben, mit einerPerson Ihres Standes zu thun zu haben. Sic sind zu verständig,zu bescheiden, um nicht zu fühlen, daß zwischen dem Sohn einesSchweizer-Zuckerbäckers und einer Tochter aus dem herzoglichen

Hause Piviafranca-Heiligste Jungfrau! man kömmt bei dem

Gedanken von Sinnen."

— Signora Marchesana, ich glaube Ihre Besorgnisse zu ver-stehen, und bin im Begriff, Ihnen, soviel an mir liegt, jede Be-ruhigung zu gewähren. Ja, Signora, gern bekenn' ich'S, eineLeidenschaft zehrt an meinem Leben, die unter Verhältnissen ge-waltig ward, welche dem feinsten Scharfblick die unschuldigsten