Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
256
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„Liebe? O glauben Sie das nicht, Signor Fortunato. Siehat das Wort in ihrer Zugend gelernt und nie verstände». Siehat ihren Bruder nicht, sie hat ihre» Gemahl nicht geliebt. Sichat keinen Raum für irgend ein Gefühl guter oder schlechter Artin ihrem trockenen Herzen mehr übrig. Sic würde selbst von kci.nein Haß, von keiner Rache gegen den Grase» Ribera Empfindunggehabt haben, wenn erste nicht erst um eine beträchtliche SummeGeldes betrogen, dann bei der Königin, als heimliche Anhängerinder Franzosen, verdächtigt hätte, daß ihr der Hof verboten wurde.Sic ist die reine, eiskalte Selbstsucht des Stolzes. — Aber sprechenwir von angenehmer» Dingen. Nicht so, lieber Freund, Sie er-zählen mir von Ihrem langen sckwnen Traum? Es thut mir rechtweh', daß ich ihn unterbrach. Ich bitte, weigern Sic sich nicht."

— Erlauben Sie, daß ich schweige. Unmöglich kan» ich eSmündlich thun. Sie sollen ihn erfahren, dann aber schriftlich.

„Und was darf mein edler Freund mir nicht unmittelbar ver-trauen? Warum vergelten Sic meine furchtlose Aufrichtigkeit gegenSie mit anderer Münze? Sie sind bisher Hort und Schutz undFreude und Zuversicht eines Lebens gewesen, das Sie aus denFluthen zogen; wollen Sie nun, sogar in Kleinigkeiten, zum Gc-heimniß für dasselbe werden?"

— Ich beschwöre Sie, lassen Sic mich stumm bleiben.

„Stumm? Wie, im Ernst? Ihr Traum mehr, als Scherz?Dann will ich Sic mit ihm noch weniger loSlaffen? Oder, thcurerFortunato," fuhr sie leiser lispelnd fort, indem sie sich im Gehenseitwärts zu ihm neigte, und ihre Hand in seinen Arm legte, „oderist die Furcht, die mich seit gestern quält, nicht ohne Grund?"

— Darf ich diese Furcht wissen, schöne Gräfin?

Sie schwieg einen Augenblick, dann sagte sie, mit gesenktemHaupt, wie vor sich hin: „Der Creole war Ihnen mehr Werth,als die Gräfin Piviasranca. Nur Großmuth und Mitleid zogen