Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
254
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Schuld war geschehen, daß ihr nie Ahnung geworden, einem vomFluch der römischen Kirche beladenen Ketzer das arglose Herz zn-gewendet zu haben. Denn, wie er aus Reisen pflegte, hatte er,Anstoß zu meiden, sich von den gottesdienstlichen äußern Bräuchender Länder nie entfernt, in denen er leben mußte. Jetzt überfielihn mit dem Schmerz, welchen die Gewißheit eines nnvermcidlichgewordenen Scheidens gab, Nene. Er saß mit gesenkten Augenin Betrübniß und stillem Verzweifeln da, als die letzten Lautcn-töne verhallten, und schien nicht zu beachten, daß die Franenzim-mer Blicke auf ihn richteten, vermnihlich die üblichen Bezeugun-gen von wohlverdienter Bewunderung erwartend.

„Allerliebst, ich habe doch nnscrni Signor Linthl ein Schläf-chen über die Augen gesungen!" rief Beatricc lachend, indem sicausstand und die Guitarre abgab. „Nein, er schlägt die müdenAugen ans. Nu» gesteh'» Sic uns, in welche» schönen Traun,Hab' ich Sie elngcwiegt? Erzählen Sic geschwind."

„Mit Nichten, meine Gnädige!" antwortete Linthi. „Umge-kehrt, Ihr anmnthlgcr Gesang entzauberte mich von einen, langenSchlaf. Er riß mich aus einen, schonen Traum."

Den Damen schien dies die Einleitung zu einer anziehendenUnterhaltung. Sie forderten ihn ans, sie mit der Schönheit diesesTraumes bekannt zu machen. Plötzlich aber trat einer von denDienern der Marchesa in den Saal, säst odemloS, und flüsterteseiner Herrin in ehrfurchtsvoller Stellung einige Worte. Die Mar-chesa wandte sich darauf mit ernster gewordenem Gesicht gegen dieGesellschaft, und sagte mit feierlich-ruhiger Stimme: „Gott wollesich der abgeschiedenen Seele meines Bruders in Gnaden erbarmen.Graf Alvaro di Ribera ist gestorben!"

Diese Nachricht störte die bisherige Heiterkeit der Versammel-ten. FcrtunatuS und die übrigen Damen äußerten der Marchesanaund deren Nichte ihr Beileid, die jedoch beide weder den Ausdruck