Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

151

Abram wußt' es, aber wich nicht. Es blieb diesem keine Wahl,als pflichtgemäß, und der Ehre des französischen Heeres treu, aufseinem Posten unterzugehcn. Er war seit einigen Tagen viel thäti-ger, als je, gewesen, und hatte die Mannschaft zn jeder Stundeschlagfertig gehalten. Die Wachen standen verstärkt. AusgesandteStreifparteicn schwärmten eine Stunde weit um den Ort. VonZeit zu Zeit hörte man, vom Städtchen her, das Schlagen derTrommeln.

Hätte der Schweizer, Waffen in der Hand, thätigcn Theil anBekämpfung der heranziehenden Gefahr nehmen dürfen, er würdeohne Zweifel weniger Furcht empfunden haben. Aber daß er, wehr-los, nur Zuschauer, wie am Bord der Austria, den Augenblick derEntscheidung und das ungewisse LovS des AuSgangö erwarten mußte,lähmte ihm allen Muth.

In diesen Ucberlegungcn, ohne Zuversicht auf die Handvoll fran-zösischer Krieger, im Mißtrauen gegen die Einwohner des Städt-chens, ängstigte ihn aber weniger sein eigenes Verhängniß, als dieschutzlose Unberathenheit des armen Knabe», welchen er ans denWellen wahrscheinlich nur einem schrecklichen Schicksal entgegengetragen hatte. Denn aus den räthselhaften Aenßernngen sowohldes Capo Ruota, als des Canccllieri, zwischen welchen ein unver-kennbarer, wenn auch dunkler, Zusammenhang stattfand, ging fürihn mehr, als bloße Ahnung hervor, daß dieser Creole in traurigeoder widerwärtige Verhältnisse mächtiger sizilianischer Familien ver-flochten gewesen sein müsse. Cccco's Furcht und Abscheu, Messinawieder zu sehen, seine Verschlossenheit, wenn von der Vergangen-heit Rede war, das sonderbare Verhältnis; zn seiner geheimnißvollenGebieterin auf der Austria, seine große Gleichgültigkeit bei ihremVerlust, die auffallenden Nachforschungen ans Sizilien wegen demSchicksal des Frauenzimmers — das Alles deutete finster auf Be-gebenheiten zurück, in welchen der Creole nicht schuldlos stehen